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Aus Polens letzten Tagen : Erinnerungen eines deutschen Dichters :
(Fortsetzung)
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Aus Polens letzten Tagen

Erinnerungen eines deutschen Dichters von Georg Peiser (Fortsetzung)

eume hat im Jahre 1796 über die Katastrophe und seine eignen Erlebnisse in der kritischen Zeit eine Relation veröffentlicht, die er Einige Nachrichten über die Vorfälle in Polen im Jahre 1794" betitelt hat. Auf den ersten Blick zeigt sie die Tendenz, den Charakter Jgelströms und sein Verfahren vor und während der Revolution in Warschau so viel wie möglich zn rechtfertigen. Wer in der Lage wäre, mit der Relation Seumes die der Kaiserin überreichte Verteidigungsschrift Jgelströms, an der unser Dichter, wie wir später sehen werden, wesentlichen Anteil hat, zu vergleichen, würde ohne Zweifel an manchen Stellen eine große Übereinstimmung finden. Sicherlich sind wenig Offiziere in der Umgebung Jgel­ströms diesem so nahe getreten wie Seume; aber das Verhältnis zwischen dem Chef und dem Philosopheu, wie Jgelström seinen fleißigen und uneigennützigen Sekretär zuweilen im Scherze nannte, war doch so eigentümlich, daß es Seume den Blick für die Erfassung der ganzen Persönlichkeit Jgelströms getrübt hat. Das Bild des eigenwilligen, im Glücke zügellosen, im Unglück unentschlossenen Mannes tritt bei ihm nicht mit der Schärfe hervor wie sonst bei den Zeit­genossen. Auch über Jgelströms Verhältnis zu der Gattin des Grafen Zaluski, das in der <zkroni<zuö svÄnäalsuss jener Tage eine große Rolle spielt, urteilt er nachsichtig: die Auszeichnungen, die er einer gewissen Person erwiesen habe, seien an einem Orte wie Warschau durchaus nichts ungewöhnliches und Hütten nur in solcher Lage den Pasquillauten Stoff geben können. Zu richtiger Beurteilung der ganzen Sachlage erhebt sich Seume jedoch in der treffenden Bemerkung:Die Lage selbst und die politischen Verhältnisse machten seinen Posten verhaßt und gefährlich, und ich glaube behaupten zu können, wenn in dieser Verbindung Konfucius Minister und Skcmderbeg General gewesen wäre, so wäre die Sache zum Ausbruch gekommen."

Ein günstiger Zufall hat es gefügt, daß «och ein audrer deutscher Offizier aus der nächsten Umgebung Jgelströms, der Generalquärtiermeister Pistor, einen Bericht über die Warschauer Vorgänge aufgezeichnet hat, der auf uns gekommen ist «Mirioires snr lg. rsvolution clo 1s. ?»1oM6 trcmvvs a, Lsrlin. Paris, 1806). Der Standpunkt seines Memoires, das er der Kaiserin auf ihren Wunsch im Jcmnar 1796 überreichte, ist dem Seumes gerade entgegengesetzt. Jgelström wird nicht direkt angegriffen, aber die Tatsachen, die Pistor sprechen läßt, ent­halten eine vernichtende Kritik aller Maßnahmen, die Jgelström zur Nieder­werfung des Warschauer Aufstandes getroffen hat. An der Hand seiner mili-

Grenzboten I 1906 71