Das Deutschtum in Elsaß-Lothringen
von Hans Witte
rst in verhältnismäßig später Zeit ist das Gebiet unsrer Reichslande dem deutschen Volkstum gewonnen worden. Im Elsaß zwar hatten schon vor dem Beginn unsrer Zeitrechnung die Snevenscharen des Ariovist das linke Ufer des Oberrheins vertreten, uud auch nach ihrer Besiegung durch Julius Cäsar blieb Mr der Germanenstamm der Tribvker sitzen. Aber deutsch ist das Land da- , lU'ch «och „icht geworden; jedenfalls ist das ihm nur beigemischte Deutschtum 'u der römisch-gallischen Provinzialbevölkerung, von der auch am rechten Nfer es Oberrheins die -iZri äLoumg.t<zs erfüllt waren, bald aufgegangen.
Und in das Gebiet der mittlern Mosel, das unser Lothringen einnimmt, ^gte wohl kaum uoch der mächtige Stamm der Treverer hinein, der sich gleich andern Keltenstämmen Belgiens deutscher Abstammung rühmte. Aber gerade as beweist ja, daß sich die deutsche Art nicht in ihm erhalten hatte, wenn hier überhaupt mehr vorliegen sollte als eine dunkle, gallischer Eitelkeit entsprungne ^tcimmessage. Weit mehr aber als die Treverer kommen für Deutsch-Lothringen Mediomatriker in Betracht. Und dieser Stamm ist rein keltisch ohne sagenhafte Hindentung auf germanischen Ursprung.
So kann es nur die große Bewegung der germanischen Welt, die wir Völkerwandrung bezeichnen, bewirkt haben, daß das Elsaß sowohl wie er nördliche Teil Lothringens schon im frühen Mittelalter unverkennbar der Herrschaft deutschen Volkstums, deutscher Sprache und Gesittung unterworfen ^scheinen. Nicht erst mit dem Anfange des fünften Jahrhunderts unsrer Zeitteilung, als unter dein Anstürme der Westgoten in Italien die Legionen ^oms von der Rheingrenze zurückgezogen worden waren, hat die deutsche Veredlung des Elsaß durch die Alemannen begonnen. In unaufhaltsamem Vorzügen hatte dieser Stamm schon während der Dauer der Römerherrschaft Zahlreiche Siedlungen auf das linke Ufer des Oberrhcins hinübergeschoben "ud schon nm die Mitte des vierten Jahrhunderts den Grund gelegt, auf dein em durch alle kommenden Jahrhunderte deutsches Elsaß erwachsen konnte, ^uch die überwiegend fränkische Ansiedlung (ripuarischen und chattischen
Grenzboten I 1906 68