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Mein Freund Prospero :
(Fortsetzung)
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Eine Katze im Sack kaufen? Von dir, ohne mich einen Augenblick zu bedenken! Natürlich verspreche ich dirs!

Bravo, bravo! rief Lady Blanchemain über ihren leichten Sieg. In einigen Tagen wirst du einen Brief bekommen, aus dem du ersehen kannst, zu was du dich verpflichtet hast. Und nuu komme mit in mein Wohnzimmer, da werde ich dir zur Belohnung deiner Tugend ein kleines Geschenk machen.

In dem kühlen, dämmerigen Wohnzimmer mit seinen halbgeschlossenen Jalousien und den strohfarbnen Hüllen über den Möbeln legte sie ein kleines Kästchen aus Chagrinleder in seine Hand; es war klein und hart und an den Ecken abgestoßen und weiß von Alter. Geh ans Fenster und sieh, was drin ist, bat sie.

Gehorsam tat John, wie ihm geheißen worden war.

Wahrhaftig, rief er, das ist ja wunderbar! Das ist ganz köstlich! Das Kästchen enthielt einen Ring, einen schmalen Goldreif mit einem in einen Kreis von Diamanten gefaßten Rubin — dem schönsten Rubin, den John je gesehen hatte. Er war etwa so groß wie eine Haselnuß und mit zahllosen Fassetten in die Form eines Herzens geschliffen und glühte und flimmerte, strahlte und leuchtete wie flüssiges rotes Feuer.

Das ist der destillierte und kristallisierte Geist einer Rose, bemerkte Lady Blanchemain.

Das ist ein Tropfen flüssigen Lichtes, sagte John bewundernd. Aber warum willst du ihn mir geben? Ich kann ihn nicht tragen und glaube, ich darf ihn nicht annehmen.

Es verlangt ja niemand von dir, daß du ihn trägst, gab die Lady zurück; es ist ja natürlich ein Damenring! Was das Annehmen anlangt, so brauchst du dir darüber kein Gewissen zu machen. Es ist ein altes Familienkleinod der Blanchemain, das schon hundert Jahre vor mir in die Familie kam — also ein richtiges Erbstück, und du bist der Erbe. Ich schenke dir diesen Ring zu einem ganz bestimmten Zweck: solltest du je in die Lage kommen, dich zu verloben, so stecke ihn dem abenteuerlichen Wesen an den Finger.

Reichsspiegel. (Politik und Sozialpolitik. Der Reichskanzler und Graf Posadowsky. Die Aussichten der Finanzreform. Algeciras und Englands völker­rechtliche Grundsätze vom Januar 1871.)

Die weit ausgesponnenen Debatten beim Etat des Reichsamts des Innern haben in diesem Jahre insofern mehr Interesse erweckt als in frühern, als dabei Gegensätze zutage traten, an die man bisher, wenigstens in dieser Deutlichkeit, nicht gewöhnt war. Der Staatssekretär des Innern, Graf Posadowsky, hat es bei seiner außerordentlichen Hingebung beim Zolltarif um die Konservativen wahrlich nicht verdient, daß diese im Parlament und in der Presse gegen ihn Front machen, wobei diese Frontstellung bis weit in die nationalliberalen Kreise hinein Verlängerung findet. Es soll nicht geleugnet werden, daß die Auffassung ziemlich verbreitet ist, es werde etwas zu viel Sozialpolitik getrieben; weder sei es in den betreffenden Bevölkerungskreisen möglich, sich in die Fülle der neuen Gesetze und Verordnungen einzuleben, noch werde damit irgendwelcher Einfluß auf die Sozialdemokratie selbst und auf die zu dieser bisher noch nicht gehörende Arbeiterschaft erreicht. Für die Sozialdemokratie sind die Kämpfe auf dem Gebiete der Sozialpolitik nur Mittel

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches