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Im Lande des Kondors : Plaudereien aus Chile. 5. In der chilenischen Cordillera
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Mein Freund prospero

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und da sie eine eifrige Katholikin ist, kann man alle Frauen, hoch und niedrig, täglich während der Vormittagsstunden beim Kirchgange im Manto sehen.

Die besitzende, das heißt die herrschende Klasse der Eingebornen, denen im Laufe der Zeiten viel europäisches Blut zugeflossen ist, und die sich auch von der Mischuug mit den Indianern ferngehalten hat, repräsentiert einen wirklich schönen Menschenschlag. Gerade in den bevorzugten Kreisen Santiagos trifft man Damen, deren äußere Erscheinung blendend ist, die jedem Maler als Vor­wurf zu einer Madonna dienen könnten. Aber auch anderswo in Chile, in allen bessern Volksklassen, kann man bildschöne, kleinfüßige Frauengestalten treffen, die Anmut mit einer cmgebornen natürlichen Würde vereinen. Und allen Klassen ist etwas chevalerestes eigen. Der größte Lump von Chilene ist zuvorkommend, höflich, und der Bandit, der einen im nächsten Allgenblick vielleicht beraubt, hinterrücks anfällt höflich ist er trotzdem. Diese angenehme Eigenschaft, verbunden mit großer Sorglosigkeit, heiterer, fast leichtsinniger Auffassung des Lebens, versöhnt in etwas mit vielen andern, wenig guten Seiten des Volks. Zu diesen gehört besonders die Neigung, Mein uud Dein allzuleicht zu ver­wechseln, und die leider mehr und mehr überhandnehmende Trunksucht. Das sowieso schon feurige südländische Blut, durch Alkohvlgenuß ins Kochen ge­bracht, greift dann nur allzugern zum Messer, und die Zahl der dadurch ver­ursachten Morde ist in Chile außerordentlich groß. Daß bei den Messerasfären natürlich auch die Eifersucht eine Rolle spielt, sei hier nur nebenbei erwähnt. Es ist ausgerechnet worden, daß in Chile aller vier Stunden ein Menschenleben gewaltsam vernichtet wird! Sei dem nun, wie ihm »volle, Tatsache ist, daß ich nirgends in der Welt so viel Tote auf Straßen, Plätzen usw. angetroffen habe wie in Chile. Da braucht man sich nicht zn wundern, daß trotz der fabel­haften Fruchtbarkeit der chilenischen Familien zehn bis zwölf Kinder sind etwas ganz gewöhnliches die Zahl der Bevölkerung von innen heraus nur schr langsam anwächst. Allerdings wirken hierbei auch die trotz dem gesundesten Klima unter aller Kritik schlechten hygienischen Verhältnisse des Landes dezi-

""^"d ""t- (Fortsetzung solgt)

lUein Freund prospero

von Henry Harland (Forlsetzung)

lohn war in einer Gemütsverfassung, die ihn verwirrte und ärgerte. Bis vorgestern war die völlige Abgeschiedenheit, die Abwesenheit aller Menschen seiner Kreise eine der wesentlichsten Ursachen seines Wohlbehagens in Sant' Alessina gewesen, er hatte völlig geschwelgt in dem Genusse seiner Einsamkeit und hatte diese für einen Hanpt- l bestandteil dessen angesehen, was er Lady Blanchemain gegenüber "ls das ganze gesegnete Ding bezeichnet hatte. Er hatte sein Schloß, seine Gemälde, seinen Garten, er hatte Berg und Tal, die Vögel, die Blumen, die Wolken und