(Line Verspottung der radikalen Demokratie im Altertum
iüs griechische Lustspiel, worin die athenische Demokratie am schärfsten angegriffen wird, die „Ritter" des Aristvphnnes, hat manche Beziehungen zu den Erscheinungen der Gegenwart, die das Interesse moderner Leser anregen dürften. Auch Aristophanes > selbst, den man wegen der Leichtigkeit und Meisterschaft in der Sprache, wegen der Anmut, mit der er die schwierigsten Aufgabe» bewältigt, wegen der Gewandtheit in Wortspieleu nnd im Versbau den Liebling der Grazien genannt hat, verdient es nicht, in Vergessenheit begraben zu werden. Da seine Komödien ein Reflex der Zustände zur Zeit des Peloponnesischeu Kriegs sind, so ist zu dem Verständnis der „Ritter" freilich eine geschichtliche Einleitung unerläßlich.
Perikles war ein Opfer der Pest geworden, ein für Athen in der Tat unersetzlicher Verlust. Thukydides sagt, daß unter ihm den? Namen nach die Demokratie geherrscht habe, in Wahrheit aber sei es die Herrschaft des ersten Mannes gewesen. Auf diesen ersten Mann folgten aber sehr untergeordnete Größen. Während Perikles die Menge zu begeistern und zu den hohen Aufgaben des Staats zu erheben verstand, herrschten seine Nachfolger dadurch, daß sie den niedrigen Instinkten des Volks dienten nnd seiner Selbstsucht schmeichelten. Auch den Aberglauben benutzten sie und wußten durch erdichtete Orakel, die auf Bakis oder einen andern mythischen Scher zurückgeführt wurden, Stimmung für ihre Zwecke zu machen. Große staatsmünnische Ideen traten kaum noch hervor. Nach dem Tode des Perikles hatte zuerst ein gewisser Eukrntes, ein Hanf- und Werghändler, auf der Rednertribüne Einfluß. Sein Nachfolger war Lysikles, ein Viehhändler. Er kam im Kriege um. An seine Stelle trat Kleon- Er wird ein Gerber genannt, weil er viele Sklaven unterhielt, die Felle gerbten nnd Lederwaren bereiteten. Er war der Wortführer des polternden Kraftgefühls der Menge und ihres Hasses gegen Männer von überlegner Bildung- Zu den Mitteln, durch die er die Volksgunst gewann, gehört die Erhöhung der Diäten für die Geschwornen, die verdreifacht und auf drei Obolen festgesetzt wurden. Da sechstausend Athener jährlich zu den Geschwornengerichten ausgelost wurden, so war ein großer Teil des Volks an dieser Maßregel interessiert. Freilich lud dies dem Staate mitten in der schwersten Kriegszeit eine jährliche Mehrausgabe von hundertundfünfzig Talenten auf.
Im siebenten Jahre des Krieges, 425 v. Chr., besetzte und befestigte der athenische Feldherr Demosthencs Pylvs an der messenischen Küste. Der sich dem Ort anschließende Hasen ist vielleicht der beste von ganz Griechenland; nach der offnen See zu liegt vor ihm die Insel Sphakteria. Die Spartaner be-