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Geltung zur See
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Geltung zur ^>ee

er sehr ernste Ton der Thronrede, mit der der deutsche Reichs­tag eröffnet worden ist, hat im In- und im Auslande zu deuken gegeben. Der Ton klang vielfach neu, aber seine Offenheit über­raschte und verletzte eigentlich niemand, denn die Wahrheit des Gesagten ist unbestreitbar. Die ausländische Presse hat rückhalt­loser als die deutsche ausgesprochen, daß die Andentungen wegenVerkennung deutscher Sinnesart" und wegen derVorurteile gegen die Fortschritte deutschen Fleißes" an die Adresse Englands gerichtet sind, das Deutschland überall als Gegner seiner Politik antrifft, uud das seine gewerbsmäßige Rolle als Störer des Weltfriedens weiter spielt. Die Demokraten und die Gegner Deutschlands fanden sich mit dem hergebrachten Witz ab, daß Kaiser Wilhelm für die Flotten- Vorlage habe Stimmung machen wollen. Das ist eine Verlegenheitsansrcde, denn man weiß auch im Auslande, daß die Forderungen für die Wehr zur See im deutschen Volke eher wegen ihrer Beschränkung als wegen ihrer Höhe überrascht haben. Der Reichstag, der sie ablehnen würde, käme nach der Auf^ lösung nicht wieder trotz den neuen Steuer». Absichtlich hat die Thron­rede nicht für die Flottenvorlage gewirkt, unabsichtlich desto mehr. Der Deutsche versteht ganz wohl, warum in der marokkanischen Frageunter Schonung der Interessen und der Ehre beider Teile eine Verständigung" erreicht wurde, ob­gleich die Rcvancheträume der Franzosen noch lange nicht zu Ende sind, und trotzdem daßder große Unbekannte" hunderttausend Engländer zur Unter­stützung in Holstein landen lassen wollte. Der Deutsche schließt ganz richtig daraus, daß seiu Schutz zu Lande ungefähr ausreichend ist, da abersolche Strömungen, au eiuem Punkte unterdrückt, an einem andern wiederkehren können," so muß auch der Schutz zur See ausreichend gestaltet werden. Unsre Zukunft liegt auf dein Wasfer, wir brauchen eine stärkere Flotte, wir köunen nicht stehn bleiben!

Jeder Stillstand ist zugleich ein Rückgang, denn wenn man auch nur still- zustehn glaubt, gehn die andern weiter, und man bleibt eben zurück. Das gilt auf allen Gebieten des menschlichen Lebens, am meisten aber von dem der Politik. Ist ein politisches, ein nationales Werk vollendet, so muß schou wieder

Grenzbote» I 1906 30