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Joseph Romnanille
zeit, und — die nahende Invasion ganzer Bataillone von Sardinen, Heringen und Stockfischen. Der Scherz, den sich der friedliche Pfarrherr mit seinem Beichtkind, der alten Grafin von Vaucluse, erlaubt hat, findet einen farbenprächtigen Abschluß. Die tapfern Truppen, die das Vaterland zu retten bedacht waren, ziehn als Sieger begrüßt auf blumenbekränztem Pfade unter Orgelton und Glockeuklcmg in Avignon ein. In der alten gemütlichen Zeit bedeutete schon der gute Wille eine Heldentat.
In der Perlenschnur der Louts ?rouv6uoau taucht eine Fülle von Berichten auf, deren Kern naive Vorstellungen vom Jenseits bilden. Die scherzhafte, gemütliche Tonart des „Pfarrers von Cucugnan" steigt und füllt in: Diiis l'imtrs Nounclö, wo ein armer Mönch von Petrus wegen des „Himmelsvortritts" eines Bischofs arge Vernachlässigung erführt, bis endlich ein Jesuiten- patcr den Zurückgewiesnen auf seinein Rücken als „angebliches Gepück des Kirchenfürsten" dnrch die Pforte der Seligen praktiziert. Trotzig gebürdet sich bei der Himmelfahrt in Huew es den, civ.« lloun Kou^s Gier geht mirs so gut, daß ich mich nicht von der Stelle rühre) ein Ehemann, Jcmet d'Alegre, der erst beim heiligen Petrus vorsichtig Erkundigung einzieht, ob sein böses, ihm im Tode vorangegangnes Weib im Himmel weilt; da die Anskunft bejahend ausfüllt, zieht Jcmet es vor, draußen zu bleiben. Der heilige Petrus soll nicht bös werden, aber „hier draußen" wirds ihm besser zumute sein. Tief ernst wirkt die Behandlung des himmlischen Problems in der langen Erzählung I^ou ^ouAaclou (Der Spieler). Der Heiland selbst erschließt ihm das Paradies gegen den Willen des heiligen Petrus, weil er niemals falsch gespielt hat, den Armen eine mildtütige Hand zeigte, seiner Frau im Leben und „nach dem Tode" treu blieb und zu Gott gebetet hat.
Auch vrovenzalische Sprichwörter hat Romnanille in der schönen Sammlung mit Illustrationen versehen: „Die Tänzer von Jonquieres" und „Die Salbeiblüte." Auf diesem Gebiete aber hat Daudet seinen Meister in den s^ttrös 6s mvll Nttulin überflügelt. Die lichten Schwingen einer glücklichen Muse haben den Schüler bisweilen höher getragen als den Lehrer — aber auch tiefer, in Abgründe des Gemüts (man denke an I^s, Lörvolls cl'or), vor denen der biedere Roumanille instinktiv zurückscheute, als er es hartnäckig verschmähte, Pariser Beziehungen anzuknüpfen. In bescheidner Erkenntnis des ihm verliehenen Talents hat sich unser Dichter in einem denkwürdigen Briefe nicht mit der stolzen Nachtigall sondern mit der schlichten Grasmücke verglichen. Dieses Gleichnis ist zutreffend. Dennoch wird sein bescheidnes Verdienst noch in der Beurteilung der Zukunft steigen. Ein Schatz, seine köstlichen Briefe, ist noch lange nicht vollständig gehoben; was davon schon vorliegt, oft ein buntes Gemisch von Schriftfranzösisch und Provenzcilisch (wie in dem witzigen Briefe über den Hochmut Jasmins, des Dichters von Agcu), offenbart einen ausgezeichneten Briefschreiber.