Joseph Roumanille
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reichliche Besoldung des höhern Beamten, die Erteilung eines hohen Ranges und Titels, die vielfachen in regelmäßiger Folge sich steigernden Auszeichnungen mit seinen Leistungen und halte dagegen die dürftige Stellung des niedern, wenig beachteten Beamten von derselben Vorbildung, der nicht selten durch seine Arbeit dem Höhern erst zur Erlangung und zur Behauptung seiner Stellung verhilft.
Man beseitige allmählich das verderbliche Verfahren, mit Rang und Titel auch das Einkommen zu steigern. Denn dieses ist der Hauptreiz für Streber, nicht das Leistungsbedürfnis. Dann werden zum Teil andre Beamte, aber keine schlechtem an die wichtigern Stellen gelangen. Glaubt man irrtümlich auch dann noch, mit der innern Ehre allein nicht auskommen zu können, so mag die Verleihung von äußern Merkmalen bleiben. Freilich wird dann das Strebertum nicht ganz verschwinden, aber der Hauptantrieb, die Sucht nach hohem Einkommen bei verhältnismäßig geringen Leistungen, ist dann wenigstens abgeschnitten.
Joseph Roumanille
von m. I- Minckwitz (Schluß)
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ieses literarische Verdienst bietet eine gefällige Vorstufe für Mistral, einen schroffen Kontrast zu Theodore Aubanel. Völlig entgegengesetzte künstlerische Anschauungen führten in der reifern Lebensbahn eine Entzweiung der beiden Jugendfreunde herbei. Wie gewöhnlich hat es nicht an Mißgünstigen gefehlt, die das unglückliche Zerwürfnis wissentlich schürten, nicht an schlecht orientierten Fernerstehenden, die Unverstandnes in gedruckte» Auseinandersetzungen kleinlich motivierten. Wer die Werke beider Dichter genau kennt, wird die Entfremdung °hne besondre Erklärung begreiflich finden. Mistrals Begabung erhebt ihn über alle Parteien, Aubanel, der Meister des Kolorits und der schwungvollen lyrischen Empfindung, mußte bei den, trotz aller realistischen Derbheit keusch empfindenden Roumanille mit seinem stark sinnlichen Naturell in den Mcmnes- lahren auf heftigen Widerwillen stoßen. Aubanel hat das Licht, wodurch Fraueuschönheit das Leben erhellt, etwas zu grell für den fein empfindenden Dichter der Margarideto hervorgehoben. Der alles versöhnende Tod hat auch diese Meinungsverschiedenheit ausgeglichen. Heute stehn in Avignon auf dem Square Samt - Martial in trauter Nachbarschaft die beiden Denkmäler, die von der Provence und dem dankbaren Auslande gestiftet in würdiger Weise ""s Angedenken dieser grundverschiednen Dichterverdienste wachhalten. Bei der feierlichen Enthüllung, die zugleich am 13. August 1894 erfolgte, hat Mistral das richtige Wort gefunden, die bestehenden Gegensätze auszugleichen. Wenn die Nacht ihre Schatten über Avignon breitet, alles Geräusch des Tages verstummt, und der Mond über wundervolle architektonische Umrisse, durch