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Wißmann :
(Schluß)
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mußte, und der nie eine Schlappe erlitt, den kommenden Geschlechtern vor Augen geführt werden.

Indem wir einen Toten tief beklagen, grüßen wir einen Unsterblichen!

Joseph Roumanille

von m. I. Minckwitz 1

->m ersten Kapitel seines Ekkehard scherzt Scheffel in launiger Art über die Finsternis, diebekanntlich über dem ganzen Mittelalter lastete." Welche heitere Dichterstimmung verrät der trocken klingende Zusatz, daß in der Zeit, die er sich zn schildern I anschickt, von dieser Finsternisim einzelnen nichts wahrzunehmen war." Wer die Zeitereignisse wachsamen Auges verfolgt, wird diese gefällige humoristische Äußerung aus dem Jahre 1855 im neuen Jahrhundert vielleicht öfters mit Zustimmung bekräftigen. In einer Beziehung wenigstens, so lehrt uns das neunzehnte und noch mehr das junge zwanzigste Jahrhundert, war das Mittelalter sicher Heller und duldsamer. Es verstand die schwierige Kunst, verschiedensprachige Völkerstümme scheinbar lose und dennoch politisch einträchtig nebeneinander zu reihen. Geistigen Eroberungen gegenüber, denen gewisse Sprachgebiete ihre Erweiterung verdankten, verhielten sich die Regierungs­behörden passiv. Ein Sprachen- und Rassenkampf, wie er sich zum Beispiel neuerdings in der österreichischen Monarchie mit fanatischer Erbitterung und Blutvergießen abgespielt hat, war vor Jahrhunderten etwas völlig unbekanntes. Erst seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hat sich mehr und mehr die Anschauung Bahn gebrochen, daß eine gemeinsame Sprache das charak­teristische, untrügliche Abzeichen politisch geeinter Nationen sein müsse. Diese Erkenntnis, deren Logik bei reiflicher Überlegung anfechtbar erscheint, ist zum Signal für kleinliche Händel aller Art, wenn nicht sogar für Rassenkampf ge­worden. Wir sind engherziger als die Vaterlandsvertreter des Mittelalters, die die Staatskunst noch nicht in möglichst riesenhaften Verhältnissen betrieben. Nicht einmal die Schweiz, die trotz dein öfters hervorgehvbnen Kantönligeist seit Jahr­hunderten die friedliche Dreieinigkeit der germanischen Nasse mit zwei romanischen als politisch vereinbar zeigt, hat dem Nachbarstaat ihre dreisprachige Friedcns- lehre dauerhafter Stnatseinheit als nachahmungswert einzuprägen vermocht. Trotz der zunehmenden Umsicht moderner Staatsknnst hat sich der europäische Völkerhimmel der Gegenwart in mancher Beziehung recht ungünstig verdunkelt.

Um so verwunderlicher erscheint es, daß der Süden Frankreichs, insbe­sondre die Provence, nm die Mitte des nennzehntcn Jahrhunderts eine literarische und somit sprachliche Wiedererstehnug unbeschadet der politischen Einheit Frankreichs zu feiern beginnen durfte. Noch seltsamer, daß der Norden, insbesondre Paris, diesen spontanen, aller Zcntralisation schnurstracks zuwiderlaufenden Strömungen freundliche Zustimmung, bisweilen enthusiastischen