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Der Volkswitz der Römer :
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Im Lande des Kondors

lautet die menschenkundige Antwort auf einen Borgversuch (III supxl. 11411). Wenn ebensogut wie alle Stände und Gewerke auch die Spättrinker, Lang­schläfer und Spitzbuben ihren Kandidaten für den Bürgermeisterpostcn von Pompeji aufstellen und empfehlen, so ist das ihr heiteres Recht (IV 575f., 581). Wer sich an der Inschrift: „Wer mich zu Tisch nicht lädt, ist der reine Barbar" (ebenda 1880) oder an der feierlichen Geburtsanzeige des Eselchens (1555) erheitert, wem die artigen und unartigen Liebes- und Wirtshausszenen mit ihren Randglossen ein Lächeln abzwingen, wird doch zugeben müssen, daß ein eigentlicher Witz damit sehr selten verbunden ist. Er kann sich auch nur selten einstellen; denn der Witz ist in der Regel eine Antwort auf eine Frage, eine Bemerkung oder auch auf ein Tun. Das alles fehlt meist ganz, oder wenn es da ist, gibt es sehr selten die Grundlage zu einer witzigen Replik. So fehlt es auch in Pompeji nicht für uns an erheiternden Äußerungen und Szenen, wohl aber an solchen, die wir unsrer Sammlung einverleiben möchten, wenn es auch dem Volke sicher nicht an Witz gefehlt hat, aus dessen Nachbar­stadt Atella für Rom ein nationales Possenspiel erwuchs.

Eins aber fehlt dem ganzen Römervolke, der Bruder oder der Meister des Witzes, den er spielen läßt, und der selbst mit ihm spielt, der Humor; kaum daß bei dem menschlichsten und modernsten der römischen Dichter, Horaz, etwas von dieser Saite auf der Leier der menschlichen Gefühle erklingt. Das Volk des logischen Verstandes war imstande, der Welt die großen Juristen, nicht aber auch Humoristen zu geben; dem rücksichtslosen Weltzertreter steht die Sammctbürste des Humors nicht an, nur die Kratzbürste des Spottes; es fehlt ihm der sentimentale Zug, der dem Humor eigen ist. Die Zwiegestalt, die mit dem einen Auge lächelt und im andern die Träne zerdrückt, ist eine Gottheit der germanischen Rasse und ist es geblieben bis in unsre Zeit.

Im Lande des Kondors

Plaudereien aus Lhile von Albert Daiber Santiago

leim Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, so gilt dies besonders auch von Chile. Als ich nach kurzem Aufenthalt in Valparaiso eines Morgens der Eisenbahnstation Puerto zu­strebte, um nach Santiago zu fahren, meinem eigentlichen Reise­ziel, wo mir akademische Tätigkeit an der dortigen Universität winken sollte, da hatte ich eben die Rechnung ohne die eigentümlichen Zu­stände des Landes gemacht, wo die Politik alles beherrscht — auch die Wissenschaft. Ich hatte von meinen Bekannten Abschied genommen ohne Ahnung davon, daß ich nur wenig Wochen abwesend sein und später einen langen Aufenthalt in Valparaiso machen würde. Ein prachtvoller Sommermorgen