Beitrag 
Wißmann : Gedächtnisrede, gehalten am 18. November 1905 im Saale des alten Rathauses zu München von Eugen Wolf in München
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

Wißmann

Gedächtnisrede, gehalten am I>3. November 1.9^^ j,,, Saale des alten Rathauses zu München

von Lugen Wolf in München

eute, wo ein großer Teil unsers afrikanischen Besitzes in Flammen steht, wo in Südwestafrika Tausende von Deutschlands Söhnen für die Rückerwerbung und die Sicherung deutschen Kolonialbesitzes ihr Leben oder ihre Gesundheit einbüßen, wo in Dcutschostafrika die Negerstümme von der Seelüfte an gerechnet bis zu unsrer westlichsten Grenze in Aufruhr geraten, liegt die Veranlassung, eines Hermami von Wißmann zu gedenken, mehr als je nahe. Denn Wißmann ist es, dem wir die Erforschung eines großen Teiles des zentralen Afrikas, die Erhaltung einer unsrer wertvollsten Kolonien, die Ausrottung des Sklavenhandels und der Menschenjägerci verdanken. Bei so großen Verdiensten des vor nicht langer Zeit durch einen Jagdunfall aus dem Leben geschiednen Kämpfers für die Menschheit, für die Wissenschaft und für Deutschlands Große darf wohl bei allen Deutschen ein Interesse für seinen Entwicklungsgang vorausgesetzt werde».

Hermann Wißmann, der einem alten preußischen Adelsgeschlecht augehörte, wurde als Sohu des Regieruugsrats Wißmauu am 4. September 1853 zu Frankfurt a. d. Oder gebore». Sein Vater hatte den Adel abgelegt, seine Mutter, eine geborne Schach von Wittenau, lebt noch in Lauterberg im Harz.

Schon als Gymnasiast zeigte er eine lebhafte Neigung für Naturwissen­schaften; dann besuchte er die Kriegsschule iu Auklam, machte sein Offiziers- cxamen und wurde 1874 Sekoudeleutnant. Im Jahre 1870 bei Beginn des Feldzugs meldete sich Wißmann, noch nicht siebzehn Jahre alt, als Freiwilliger für Kriegsdauer zum Eintritt in die Armee, wurde aber, weil er noch zu jung war, nicht angenommen. Im Herbst 1871 trat er in die oberste Klasse des Kadettenkorps zu Berlin ein. Schon im Frühjahr bestand er glänzend das Fähnrichsexamen uud wurde dem Mecklenburgische» Füsilierregiment Nr. 90 in Rostock zugeteilt. Während seiner Leutnantszeit rettete er mehrmals Menschen vor dem Ertrinken, 1875 erhielt er seine erste Rettungsmedaille, und eiu Jahr darauf fiir die Rettung zweier Menschen den Kroneuorden am schwarz-weißen Bande.

In Rostock lernte er Pvggc kennen. Diesem waren die mecklenburgische Erde uud seiu Jagdgebiet im Heimatlande nicht mehr groß genug, uud weun Pogge, von seiner erste» großen afrikanischen Jagdexpeditivu zurückgekehrt, am runde» Honoratiorentisch bei Friemann in Rostock von Afrika und den vielen Wunder» des unerschlossenen Landes, von der Unermcßlichkeit der Jagdgebiete, von der goldnen Freiheit sprach, die man im dunkeln Afrika genieße, leuchteten die Augen des „tollen Wißmann" — so wurde er damals genannt — auf.