Lenbach
er verstorbne gefeierte Darsteller so vieler seiner berühmten männlichen Zeitgenossen hatte sich seit der Mitte der achtziger Jahre des vergangnen Jahrhunderts mehr und mehr auch weiblichen Bildnissen zugewandt. Bei seiner bevorzugten Lebensstellung in der gesellschaftlich vielseitigsten dentschen Stadt stand ihm eine Auswahl zu Gebote, wie keinem zweiten Frauenmaler unsrer Zeit, und gemalt hat er, so hören wir, nur solche, die ihn künstlerisch reizten, sodaß uns eine Sammlung von diesen Bildern nicht nnr eine Fülle menschlicher Schönheiten, sondern auch einen Begriff von dem Lenbachschen Frauenideal wird geben können. Nun hat vor einiger Zeit der Kunstverlag von Franz Hanfstaengl in München unter dem Titel: „Franz von Lenbcich, Schönheit-Ideale" in einem feinen Qnartbande viernndzwanzig Photogravüren nach Originalen weiblicher Bildnisse nebst einem Selbstbildnis des Künstlers herausgegeben, deren wunderbare Herstellung allein schon ein für die Unterschiede der Neproduktionsarten empfängliches Auge entzücken muß, wenn es sie hier durch alle Stufen, von der leicht hingehanchten Skizze bis zu dem voll ansgeführten Gemälde, verfolgen kann. Der Preis von dreißig Mark ist äußerst niedrig, denn das Publikum ist durch die Einzelblütter dieser Art, die in den Schaufenstern aushängen, an ganz andre Preise gewöhnt.
Wir denken uns das prächtige Werk auf dem Sofatisch eines eleganten Salons, und davor eine Bcsucherin, die es bis zum Eintritt der Frau vom Hause durchblättert, besonders angezogen dnrch diese oder jene Schönheit, über deren Herkunft aus der Welt der leibhaftigen Menschen sie nun auch schnell unterrichtet sein möchte. Sie wird, da die Bilder keine Unterschriften haben, einen Umweg nehmen müssen, der überdies ihre Wißbegier nur zum Teil befriedigen kann. Denn eine brillant geschriebne Einleitung von Fritz von Ostini gibt uns iu der Hauptsache eine enthusiastische Schilderung der Lenbachschen Kunst mit der Münchner Gesellschaft und ihren Kostümfesten als Hintergrund, wobei uns dann auch wohl einige Figuren unsrer Schönhcitsgalerie vorgestellt werden, während andre unerwähnt bleiben. Es mag ja philiströs erscheinen, daß man bei so snblimen Dingen nach Gegenstand und Namen fragt, aber die meisten Menschen sind nuu einmal so wie jene Dame, die wir dort im Salon verlassen haben, sie möchten wissen, was ein Bild, das man ihnen zeigt, vorstellen soll, und die wenigsten, die solche Bilder besehen, haben Lnst nnd Zeit, etwas zu lesen, was nicht direkt auf die Bilder hinführt, und um Einleitung oder Vorwort kümmert sich der gewöhnliche Leser erfahrungsgemäß überhaupt nicht.
Treten wir nuu ein in den Kreis dieser höchst aparten Gestalten, so finden nur Künstlerfraueu, Schauspielerinnen (Eleonore Duse, die Soubrette Fritzi