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Innere Freiheit
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Innere Freiheit

eute, die glauben, die griechische Philosophie sei ein so abge- droschncr Gegenstand, daß sich nichts neues und interessantes mehr darüber sagen ließe, mögen sich eines bessern belehren lassen von einem aus akademischen Vorträgen entstandnen Buche: Die Lebensauffassung der griechischen Philosophen und das Ideal der innern Freiheit von Heinrich Gomperz. Feine psychologische Analysen am meisten hat uns die des Epiknr überrascht schließen uns das innerste Wesen unsrer alten Bekannten auf und machen, daß sie uns neu erscheinen, und ebenso neu erscheint uns manches in ihren Beziehungen unter­einander und zu ihrer Zeit. So das Jneinanderspielen der drei Ideale: des aristokratischen Ideals der Kalokagathie, des edeln Maßes, des demokratischen Ideals der durch Sühuung zu erringenden Heiligkeit, des philosophischen Ideals der Freiheit. Und von diesem aus gesehen kommt Aristoteles zu unterst zu stehn, während die Stoiker, die Philosophen der Verfallzeit, den Gipfel ein­nehmen. Vor allem aber gliedern sich die Philosophen hier in zwei Klassen: in solche, die, wie Sokrates, Diogenes und Aristipp, ihre Philosophie gelebt haben, ohue sie aufzuschreiben, und in solche, die Bücher geschrieben haben, mit deren Inhalt ihr Leben nicht durchweg oder auch gar nicht übereinstimmte, also in wirkliche Philosophen und in Philosophieprofessoren. Plato macht den Übergang, dürfte aber wohl nicht so viel vom pedantischen Schulmeister gehabt haben, wie Gomperz vermutet; schildert er ihn doch zugleich als den großen Enthusiasten. Hier könnten wir schließen, wenn wir das Buch bloß empfehlen wollten; aber wir fühlen uns verpflichtet, der Empfehlung eine Warnung an­zuheften, und diese müssen wir begründen.

In der Theorie der Freiheit, die Gomperz entwickelt, ist vieles, dem wir beistimmen. Bei manchem, worin wir abweichen, handelt es sich vielleicht bloß um Worte, wie wenn er Glück und Lust mit kantischer Strenge voneinander scheidet und jenes in den Willen, diese ins Gefühl verlegt. Wir meinen, die Seele lasse sich nicht in zwei voneinander unabhängige Provinzen zerreißen; der Glückliche empfinde Lust, uud der Genießende wolle den Lust erzeugenden Genuß. Ju Beziehung auf manche andre seiner Ansichten würde sich vielleicht durch Erörterung eine Einigung herbeiführen lassen, so in seiner Unterscheidung von Moral und Ethik. Die Moral beurteile nicht den Menschen als Ganzes, sondern seine einzelnen Gesinnungsweisen, und zwar nicht auf Grund von Achtung uud Verachtung, sondern auf Gruud von Anerkennung und Entrüstung. Gegen eine Gesinnung, aus der leicht Schädigungen des Nächsten fließen, reagieren wir mit Entrttstuug; in der Ethik aber, meint der Verfasser, kommt es nur au auf das Maß von Kraft, das einen Charakter auszeichnet; und