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Die deutsche Presse und die britische Frage
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574 Der deutsche Ärztetag und die Akademien für praktische Medizin

die ein gutes Gewissen hat, die Geldmittel auch zu finden wissen gegen den Willen der Volksvertretung.

Die Hauptsache ist, daß wir uns in der Öffentlichkeit mehr Zügel an­legen und uns mit Würde und Ruhe einer größern Zurückhaltung befleißigen. Ich möchte deshalb aufrichtig wünschen, daß es auch bei uns und zwar nicht erst in Kriegszeiten, sondern schon jetzt, noch ehe es zu spät ist zwischen der Regierung und der Presse zu einer ähnlichen aber allgemeinern Verständigung käme, wie sie in England zwischen Regierung und Presse für einen besondern Fall geplant wird. Bei dieser Verständigung müssen in richtiger Würdigung der außerordentlichen Schwierigkeit, die gerade bei uns die Leitung der auswärtigen Politik dem Auslande gegenüber findet, die allgemeinen Grenz­linien festgelegt werden, innerhalb deren wichtige Fragen, die auf unsre auswärtige Politik von entscheidendem Einfluß sein können, öffentlich be­sprochen werden. Georg hartmann

Der deutsche Ärztetag und die Akademien für praktische

Medizin

n den Verhandlungen des dreinnddreißigsten deutschen Ärztetages in Straßburg i. E. nahm die Frage der Errichtung von Akademien für praktische Medizin einen breiten Raum ein. Bei Eröffnung der Versammlung machte der Vorsitzende auf Grund von Äußerungen, die in der Generalversammlung des Zentralkomitees für das ärzt­liche Fortbildungswesen in Preußen von ministerieller Seite über die Akademien getan waren, beruhigende Mitteilungen. Auch waren die Ausführungen des Referenten, Sanitätsrats Dr. Hansberg, in versöhnlichem Sinne gehalten. Trotzdem nahm die Diskussion über diese Frage einen etwas stürmischen Ver­laus und endigte mit der Annahme einer Resolution, die auf die Verurteilung der Akademien hinauslief.

Mit dieser Abstimmung ist, wie die Gegner der Akademien inzwischen selbst eingesehen haben dürften, die Frage keineswegs entschieden. Schon in seiner Schlußrede gab der Vorsitzende des Ärztetages seiner Meinung dahin Ausdruck, die Annahme der Resolution mit der geringen Majorität von 10374 gegen 8750 Stimmen beweise, daß die Anschauungen der Ärzteschaft über diese so wichtige Frage noch nicht geklärt seien und einer weitern Reifung bedürften. Diese Majorität dürfte keineswegs der Meinung des Gros der Ärzteschaft entsprechen. Sie war zweifellos rein zufällig und wohl haupt­sächlich unter der Wirkung der agitatorischen Rede des Neichstagsabgeordneten Dr. Mugdcm zustande gekommen. Der Sieg, den Herr Mugdan bei dieser Gelegenheit davongetragen hat, dürfte sich bald als Pyrrhussieg erweisen und die Autorität des Herrn Mngdan in den Kreisen seiner Fachgenossen nicht erhöhen.