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gleich den übrigen Einwohnern teil, haben davon dieselben Vorteile, denselben Nutzen; aber an Staatssteuern zahlen sie nichts, dadurch wird aber indirekt wieder die Erhöhung der Staatssteuern bewirkt; denn der Staat muß seine Einrichtungen nach der Gesamtzahl seiner Einwohner treffen, kann die nicht zahlenden Einwohner nicht ausschließen. Die zahlenden Einwohner müssen also den Ausfall an Staatssteuern decken, d. i. mehr zahlen, als sonst notwendig wäre. Die ausgleichende Gerechtigkeit kommt auch hier zu kurz. Die preußische Steuerkasse wird auf Kosten der Steuerzahler in den andern deutschen Staaten bereichert!
Göttingen _ H. Brüning
Gdelegoisten
anke erklärt die Kraft und die Gesundheit des europäischen Lebens einmal daraus, daß in Europa niemals eine einzelne Idee die ungestörte Alleinherrschaft behauptet. Sobald eine mächtig wird, tritt ihr eine andre feindlich gegenüber, und das Ringen der Ver- ! trcter der beiden Gegnerinnen um den Sieg schützt vor dem Einschlafen und vor Verknöcherung. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hat unter anderm die sozialistische Strömung einen Persönlichkeitskultus geweckt, dessen auffälligste Blüten bei den Nietzschianern und Jbseniten bewiesen, daß die berechtigte Opposition schon ebenso wie die Gegenströmung ins Krankhafte ausgeartet war. Selbstverständlich mußte zugleich statt des Altruismus, wie die Sozialwissenschaft die christliche Nächstenliebe umzutaufen beliebte, der Egoismus das Feldgeschrei werden, das jedoch seines unmusikalischen Klanges wegen mehr in den Herzen als auf der Straße und in Volksversammlungen angestimmt wurde. Ein neuer Versuch, den alten Epikur in zeitgemäßer Form wieder zu beleben, zeichnet sich durch Gründlichkeit, Verständigkeit und Originalität aus: Die Tugend des Genusses von Allostis <Jena, Hermann Costenoble, 1904).
Die philosophische Grundlage schafft sich der Verfasser durch eine Verurteilung der Philosophie in Bausch und Bogen. Daß aus unorganischen Stoffen Organismen werden, daß Organismen anfangen zu empfinden und zu denken, ist nicht wunderbarer, als daß Wasserstoff und Sauerstoff zusammen Wasser bilden. Das allumfassende große Wunder besteht darin, daß es überhaupt Daseinsformen gibt, die Eigenschaften und Kräfte haben, die ihren Bestandteilen nicht innewohnen. Dieses Wunder kann kein Mensch erklären, und darum ist es eine Torheit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Wir sollen demnach nicht fragen: Wie sind diese Erscheinungen geworden, sondern nur: Wie sind sie beschaffen? Auf die Erklärung des Unerkennbaren verzichten und sich auf die Erforschung dessen beschränken, was wir zu erkennen vermögen, das ist die wahre Weisheit. Was jenseits der Erfahrungsmöglichkeit liegt, mag man ruhig Gott nennen, nur soll man nicht vergessen, daß dieser Gott Grenzboten HI 1905 69