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Herrenmenschen. 18. Der Zusammenbruch
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Herrenmenschen

Roman von Fritz Anders (Max Allihn)

^S. Der Zusammenbruch

> uf dem Wege, der vom preußischen Schlößchen nach Tapnicken führte, stand Heinemann, das Gewehr unter dem Arme, und schaute bald dem Schlößchen, bald dem Dorfe zu. Das war der Weg, auf dem der Doktor kommen mußte, wenn er mit dem Dampfer aus N. zurück­gekehrt war. Hier gab es auch zwischen Busch und Kraut Gelegenheit I genug, sich iu den Hinterhalt zu legen. Aber dazu, sich niederzulegen, war noch Zeit übrig.

Da kam Marike, einen Korb am Arm, die Straße vom Dorfe her. Das traf sich ja gut.

Na, komme nur her, du Aas, schrie Heinemann schon auf weite Entfernung, ich werde dir schon die Beine zerbrechen.

Marike schrie auf, sprang über den Graben und schlug sich seitwärts in den Wald. Heinemann hatte schon die Büchse, die er vom Amte mitgenommen hatte, erhoben, um auf das Mädcheu zu schießen, aber er überlegte, daß er damit seinen Hauptschuß auf den Doktor verlöre, und ließ das Gewehr wieder sinken. Darauf sprang er selbst über den Graben und setzte sich hinter eine Klafter Holz, die nahe am Wege aufgeschichtet war.

Er sah Eva kommen und mit fliegender Eile vorüberschreiten, duckte sich hinter seine Deckung und lachte grimmig. Hilft dir nichts, Margell, sagte er zu sich, deinen Liebsten kriege ich doch vors Rohr, und dann rettet ihn kein Gott. Er muß ran.

Eva kam atemlos im Schlößchen an und erfuhr auf ihre Frage, der Doktor sei mit dem Dampfschiff angekommen, aber noch nicht heimgekehrt, er müsse irgendwo im Dorfe sein; aber er könne jeden Augenblick kommen.

Ach du barmherziger Gott! rief Eva, die Hände ringend, und kehrte auf der Stelle um.

Kind, Kind, sagte Tantchen erschrocken, was hast du? Komm her, erzähle.

Es geht um Tod und Leben, antwortete Eva und eilte davon.

Da war auch die Marike, bleich und zitternd, und erzählte, im Walde läge Heinemann und habe ihr alle Beine zerbrechen und auf sie schießen wollen.

Jetzt verstand Tantchen, um was es sich handle, rief den Inspektor Schlewecke, und wen sie gerade von den Knechten fand, und sandte sie Eva nach.

Es war Eva nicht zweifelhaft, daß Heinemann, wenn er sich in den Hinter­halt legte, eine Stelle des Weges wählen würde, der durch den Wald von dem Schlößchen zum Dorfe führte. Darum hielt sie scharfen Ausblick nach rechts und nach links in der Hoffnung, daß der Mensch nach rückwärts weniger gute Deckung genommen haben werde als nach vorwärts. Aber sie sah nichts. Als sie an die Stelle kam, wo der Weg eine leichte Biegung machte, wo man also von einem Versteck im Gebüsch aus eine längere Strecke Weges überschauen konnte, fiel ihr ciuf, daß dort, seitlich vom Wege, eine Holzklafter aufgebaut war, mitten in einem Gebüsch hoher Brennesseln. Wenn irgendwo, so mußte Heinemann hier auf der Lauer liegen. Noch war sie im ungewissen, ob sie hingehn und sich davon über­zeugen sollte, daß sie richtig vermute, als ein kleiner Vogel, den Warnruf aus-