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Joachim Pecci
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Joachim pecci

von Vrto Kaemmel

er von Rom nach Neapel führt, am Albanergebirge vorbei das breite Saccotal hinab, der sieht eine nicht nur höchst malerische, sondern auch eine historisch, insbesondre kirchengeschichtlich inter­essante Landschaft sich entfalten. Wie er weiter südwärts an der Burg Roeca Secca bei Aquino, der Heimat des großen Schola­stikers Thomas, und an Monte Cassino, dem ehrwürdigen Mutterkloster des abendländischen Mönchtums, vorüberkommt, so liegt am Saccotale links, weit entfernt von der Eisenbahnstation, die seinen Namen trägt, auf breitem Höhen­rücken inmitten fruchtbarer Felder Anagni, die Vaterstadt Bonifatius des Achten; rechts an der zackigen, trotzig aufgebauten Kette der alten Volskerberge, der Monti Lepini erhebt sich Scgni, das antike Signia, der Geburtsort Jnnozenz des Dritten. Von dort führt jetzt eine gute vielgewundne Straße tiefer hinein und höher hinauf nach einem Felsenneste, das auf seinem isolierten Bergkegel hoch aufgebaut weit ins Land hineinschaut; es ist Carpineto Romano, die Heimat Joachim Peccis, Papst Leos des Dreizehnten. Gleich am Eingang des Städtchens in der Via Cavour steht der bescheidne Palazzo Pecci, sein Geburtshaus, davor spenden zwei Marmorbrunnen, die er seiner Vaterstadt hat errichten lassen, das frische Gebirgswasser; der Palast enthält jetzt eine Bibliothek, eine naturwissen­schaftliche Sammlung und ein Observatorium, die er gestiftet hat; er hat dann nicht nur die alte gotische Kirche Scmt' Agostino erneuert, sondern auch eine neue Kirche hinzugefügt, außerdem eine Mädchenschule, ein Kinderasyl und ein Hospital errichtet, das alles in einem kleinen weltentlegnen Bergstädtchen, von dessen Verlassenheit sich nur der eine richtige Vorstellung machen kann, der ähnliche Gebirgslandschaften Italiens bereist hat, in einem Orte, wo der Stifter selbst nur in seinen ersten Kinderjahren dauernd gelebt, später immer nur einige Wochen zugebracht hat, und den er als Papst niemals hat betreten können. Noch unter seinen letzten Jubiläumsgeschenken war ihm eins der liebsten ein illustriertes Familienalbum, das neben seinem eignen Porträt aus verschiednen Lebensaltern die Bildnisse seiner Eltern und seiner Brüder und zahlreiche An­sichten aus Carpineto enthielt. Das alles sind Beweise dafür, daß in diesem Manne, der mehr als ein Vierteljahrhundert die römische Weltkirche geleitet hat, Grenzboten III 1905 3ß