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Negermärchen
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Herrenmenschen

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fremden Züge in einheimische, wodurch das etwas verschlungne fremde Mnrchen dem Vorstellnngskreise und den Knlturanschcmungen des Negers angepaßt wird. Und der, der das Kaffermmirchen liest, wird zugeben, daß die Umschmelzung vollständig gelungen ist.

Herrenmenschen

Roman von Fritz Anders (Max Allihn) (Fortsetzung)

>ls Eva das Haus verlassen wollte, um heimzukehren, trat ihr in der Haustür Heinemann entgegen, ungeschlacht, schmutzig und betrunken !wie immer.

Was wollen Sie hier? fragte Eva streng. Maul halten, kleiner Schäker, sagte Heinemann. Wissen Sie nicht, wer ich bin? fragte Eva entrüstet. Wer wirst du denn sein? Dem Doktor seine Liebste. Aber das sage ich dir, Margell, daß du bald Witwe werden wirst, denn den Hund, den Doktor, schieße ich über den Haufen.

Hinaus! rief Eva, sich dem unverschämten Menschen entgegenstellend. Aber der faßte sie derb am Arm und schob sie mit überlegner Kraft beiseite. Wäre sie doch eine Brunhilde gewesen, aber das war sie ja nicht, sondern ein Mädchen, deren Kraft nicht weit reichte. Heinemann versuchte den Eintritt in die Hansflur zu gewinuen. Aber Eva eilte zurück und ergriff den geladnen Revolver, der, wie sie wußte, im Schiebfache des Schreibtisches lag, um das Haus gegen den Eindringling zu verteidigen. Aber Tcmtcheu trat dazwischen nnd nahm ihr den Revolver ab. Gib her, Kind, sagte sie, das ist eine Waffe, die man nie brauchen darf, denn sie macht zwei Menschen unglücklich, den, der getroffen wird, und den, der schießt.

Darauf wandte sich Tantchen an Heinemcmn und sagte in ruhiger Freundlich­keit: Was wollen Sie, Heinemann?

Was ich will? Mein Geld will ich. Ich bin jetzt fünf Wochen hier, macht dreihundertfünfzig Mark.

Lassen Sie sich Ihr Geld von dem geben, der Sie hierher geschickt hat, sagte Tantchen, wir haben Sie nicht gernfen.

Den Teufel werde ich tun. Ich habe meinen gerichtlichen Auftrag, und da steht drin er holte ein Schriftstück aus der Tasche, das in den bewußten fünf Wochen schwer gelitten hatte und nnglanblich schmierig aussah, schlug mit dem Handrücken darauf und suchte zu lesen, was in dem Schreiben stand. Aber er hatte zu viel Alkohol im Kopfe, als daß es ihm gelungen wäre. Da steht drin, rief er und suchte mit dem Finger nach einer besonders schmutzigen Stelle, zehn Mark für den Tag. Und wenn ich um mein Geld betrogen werden soll, so mag der Teufel die ganze Hnndewirtschaft holen. Und dann soll noch mehr brennen wie so ne lumpige Klete.

Heinemann, rief Tcmtcheu, schämen Sie sich der Sünde! Ich kann Ihnen nicht helfen, auch wenn ich wollte. Der Herr Doktor ist nicht da. Das hätte sie nicht nötig gehabt zu sagen, das wußte Heinemcmn ganz genau. Sonst wäre er schwerlich ins Haus eingedrungen. Ich habe kein Geld und brauche auch keius. Sehen Sie hier sie nahm ihr Portemonnaie aus der Tasche elf Mark fünfzig Pfennige.

Heinemann sah mißtrauisch auf die kleine Snmme, wagte aber dem Tantchen gegenüber uichl zu behaupten, daß sie ihn belüge.

Grenzboten III 1905 27