Die deutsche Arzneitaxe und die Zukunft der Apotheke in Deutschland 77
Da sehen wir ältere, unverheiratete Frauen, die einen reichen Schatz von Mütterlichkeit in sich tragen, der so oft verkümmert, wenn er sich nicht betätigen kann, die sollten sich an das Wort Helene Langes erinnern: Das größte Ziel der Frauenbewegung ist Mutterfürsorge im öffentlichen Leben, Da sind kinderlose Frauen, die den unverbrauchten Liebesreichtnm so oft an Hunde und Vögel verschwenden oder ihn auf leblose Dinge wie Toiletten, Sport usw. übertragen.
Nicht darin zeigt sich soziale Hilfsbereitschaft, daß man Basare abhält und unterstützt, denn bei allen solchen Veranstaltungen handelt es sich doch bei den meisten besonders um das damit verbundne Vergnügen, sondern in dem tatkräftigen eignen Handanlegen. Viele kleinliche und eingebildete Nöte würde die gebildete Frauenwelt verlieren, wenn sie mutig und ohne Scheu der großen sozialen Not ins Auge sehen würde, der Gewinn aber würde ein doppelter sein, die Folgen würdeu sich segensreich bei den untern wie den obern Ständen des Volkes bemerkbar machen. Es gähnt eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich, fast scheint sie unüberbrückbar — und doch könnte Frauenliebe und Franensorge hier Erfolg haben. ____
Die deutsche Arzneitaxe
und die Zukunft der Apotheke in Deutschland
m 1. April ist nach einem Zeitraum von mehr als dreißig Jahren dem einheitlichen Arzneibuch für das Deutsche Reich eiue deutsche Arzneitaxe für das ganze Reichsgebiet gefolgt. Der Gedanke, diese Taxe zu schaffen, der auf eine vor wenig Jahren von dem Zentralverband deutscher Ortskrankenkassen gegebne Anregung zurückgeht, hat sich mit ungewohnter Schnelligkeit verwirklicht, und so konnte man sich mit dem Gegenstand erst vertraut machen, als er schon in fester Gesetzesform vorlag. Heute aber, nachdem eine große Zahl von Äußerungen aus den nächstinteressierten Kreisen: von Apothekern, Ärzten, Krankenkassen vorliegen, ist man in der Lage, ein Urteil darüber abzugeben, wie sich die neue Taxe bewähren wird, und in welcher Richtung der Fortschritt liegt, der mit ihr geschaffen worden ist.
Was zunächst ihre Aufnahme betrifft, so hat die Taxe auf keiner Seite eine grundsätzliche Mißbilligung gefunden. Dem Apotheker bringen vor allem die Einheitlichkeit — durch die nun die unliebsamen Preisunterschiede in den einzelnen Bundesstaaten wegfallen — und die große Vereinfachung des Taxmodus wertvolle Vorteile, denen gegenüber von einem höhern Nutzeu (durch Aufbesserung der Arzneipreise) kaum die Rede sein kann. Für die Konsumenten des nördlichen Gebiets bringt ja die Taxe den bisherigen gegenüber im Durchschnitt eine Erhöhung der Preise, während sie den bayrischen und den württembergischen gegenüber eiue Verbilligung bedeutet. Tatsächlich sind die Warenpreise auf Ermittlung der durchschnittlichen Engrospreise für das ganze Reichsgebiet aufgebaut (die sich übrigens nur wenig unterscheiden), und die Resultante mußte