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Maßgebliches und Unmaßgebliches
auseinander. Der Zugführer durchsuchte, von Mary gefolgt, den ganzen langen Zug und fand endlich in einem Abteil erster Klasse Handgepäck und Geldtasche. Fahrkarten waren im Zuge zu haben, und so waren die nächsten und schlimmsten Nöte gehoben. Mary wollte sich empfehlen.
O nein, o nein, rief die Dame, ich bitte Sie, bleiben Sie bei mir. Ich bin verloren, wenn ich allein reise. Ich kaun es nicht, ich habe immer jemand bei mir gehabt. Ach bitte, lassen Sie mich nicht allein!
Mary ließ sich erbitten, nahm in dem Abteil der Dame Platz und erfuhr nun, daß es eine verwitwete Staatsrnt Wcdenbaum sei, eine schwerreiche Dame, die die Absicht hatte, den Herbst am Genfer See zuzubringen. Sie hatte sich hierzu eine Studentin als Begleiterin engagiert, eine lebhafte nnd unterrichtete junge Dame niit kurzem Haar, Kneifer und Herrenhut, uud alles war gut gegangen bis au die Grenze, wo die Studentin hatte paschen wollen. Das war aber mißglückt, und man hatte sie festgenommen und sie auch, weil sie politisch verdächtig sei, nicht wieder freigegeben. Inzwischen hatte die Frau Staatsrat weiterfahren müssen nud wisse nun nicht, was aus der Dame und was aus deu Kofferu geworden sei.
Mary wandte sich abermals an den Zugführer, und man telegraphierte vom Zug aus nach Eydtkuhuen und erhielt schou in Marieuburg die Antwort, die Koffer stünden im Gepäckschuppcn, uud sie würden mit dem nächsten Zuge nachgesandt werden. Eine zweite Depesche wnrde an das russische Grenzamt gerichtet und brachte die Antwort: bei der Studentin seien kompromittierende Schriften gefunden worden, von ihrer Freigebung könne nicht die Rede sein. Frau Staatsrat Weden- bcmm schlug eutsetzt die Hände ineinander und bat Mary, wenigstens bis Berlin bei ihr zu bleiben. Mary hatte nichts Ernstes dagegen einzuwenden.
Die Reise bis Berlin ist lang, uud was können einsame Frauen, die sich auf der Reise gefunden haben, besseres tun als sich ihre Geschichten zn erzählen. Das taten nun auch Mary und Frau Staatsrat. Und als sie ans dem Bahnhof Fricdrichstraße ausstiegen, hatten sie schon Freundschaft miteinander geschlossen, und Mary hatte sich bereit erklärt, mit nach Genf zu fahren. Man stieg also in einem Hotel ab, wartete die Ankunft der Koffer ab, rüstete Mary zur Weiterreise aus und bestieg deu Fraukfurter Zug, ohne daß Mary beim Onkel Stackelberg gewesen war.
Unterwegs erkrankte Mary, und als mau in Genf anlangte, lag sie in hohem Fieber, und ihr Bewußtsein begann zu schwinden. Frau Staatsrat, die jetzt ihr Französisch verwenden konnte, nahm sich ihrer neuen Freundin mit Eifer an und brachte sie in ein Krankenhaus, wo der Arzt es für wahrscheinlich hielt, daß ein Typhus im Auzuge sei. Wenn er gewußt hätte, was für Wasser Mary auf ihrer Flucht getrunken hatte, würde er es mit aller Bestimmtheit behauptet yabeu. Wer deuu die Dame sei, wurde gefragt. Frau Staatsrat hatte es gewußt uud wieder vergessen; sie wußte nur, daß die Kranke Mary heiße und von N. ans mit ihr gefahren sei. Da die Geldfrage in Ordnung war, so beunruhigte das übrige die Schweizer Herren nicht, und Nachforschungen nach Namen uud Wohnort der kranken Dame anzustelleu fiel ihnen nicht ein.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel. Die Ostern find ins Land gegangen und haben in den Fest- betrachtungeu der Presse Aulnß zu mancher politischen Selbstprnfung geboten. Man gewinnt den Eindruck, als ob die Herbstscssiou des Reichstags, die uus endlich die