Beitrag 
Herrenmenschen : Roman :
(Fortsetzung)
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

Maßgebliches und Unmaßgebliches

109

zerbrach sie, warf die Stücke von sich und entwich, einen Flnch ausstoßend, ans dem Zimmer.

Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, lief; Fran Mary einen Schrei hören gleich den, Klagen eines Wildes, das sich verloren sieht und die Flucht auf­gibt. Ich kann nicht mehr! rief sie nnd sank neben ihrem Stuhl zu Boden.

Kaum war Grvppoff verschwunden, so kam Tantchen herein, wie eine Henne, der ein Raubvogel über die Kleinen geraten ist. Mein Gott, Kindchen, rief sie, sie Mary gebrochen am Boden liegen sah, was ist denn geschehen?

Wolf stand, die Stücke seiner Peitsche in den Händen haltend, vor seiner Mutter und sagte hart: Der Kerl hat meine Mama geschlagen.

Aber WolfI rief Tantchen.

Nein, sagte Wolf, Mama hat den Kerl geschlagen.

Aber Wolf, erwiderte strafend die Tante, siehst dn, da faselst du wieder.

Ich fnsle nicht, antwortete Wolf, ich kann nur nicht sagen, wie das eigentlich gewesen ist, nnd damit betrachtete er nachdenklich seine Peitsche.

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel. Über die spanische Thronfrage, die uns tatsächlich gar nichts ""ging, sind wir im Sommer 1870 innerhalb vierzehn Tagen in einen Krieg mit Frankreich geraten, der diesen? unendlich viel teurer zu stehu gekommen ist, als bei der Thronbesteigung eines hohenzollernschen Prinzen irgend möglich gewesen wäre. Die spanischen Zustände, sowohl des Heeres als des gesamten Landes, waren nicht so, das; in der Thronbesteigung eines deutschen Prinzen eine Bedrohung für Frankreich hätte liegen können. Der italienische Prinz Amadeus, der dann zum Nönig gewählt wurde, hat es bekanntlich keine drei Jahre dort ausgehalten, obwohl er doch den Spaniern viel näher stand als ein deutscher Priuz. Die Erinnerung "n jene Vorgänge wird durch den Gedankenaustausch wachgerufen, der sich zwischen dem Pariser Temps und der Berliner Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, den Organen der beiden Auswärtige!; Ämter, uulla. äios sins linsa, vollzieht. Die Pariser Kundgebungen zeichnen sich dabei durch eiue konfuse Verlegenheit aus, zu der sich gewisse Verlogenheit gesellt, die Berliner durch eine erfreuliche Klar­heit, »in nicht zn sagen Derbheit der Sprache. Die Mätzchen, die die französische "Mzivse Publizistik bei dieser Gelegenheit aufführt, nehmen sich ebenso dürftig wie ungeschickt aus. Als der euglisch-französische Vertragsabschluß in; vorigen Jahre ekanut wurde, ging durch einen nicht geringen Teil der deutschen Presse ein starkes 'huschen. Beachtenswerte Stimmen verlangten, daß Deutschland dein Verfügen der ""den Mächte über Marokko nicht stillschweigend zusehe, sondern seinen Anteil, ^>n mindesten einen Hafen an der atlantischen Küste, verlange. Ju einzelnen glättern wurde das des nähern mit der Notwendigkeit motiviert, dort deutsche

"""Uvollpflanznngen in großem Stil anzulegen. An leitender Stelle vermochte '"""ein unmittelbares Bedürfnis, Deutschlands vertragsmäßige Stellung in und ^ Marokko zu ändern, nicht zu erkennen. Dennoch erhielt die Marincverwnltung ^" Auftrag, die Beschaffenheit der atlantischen Häfen Marokkos festzustellen. Das ^gebnis der vorgcnvmmnen Rekognoszierungen lautete dahiu, daß auf der ganzen

wntischcn Küste kein Hafen vorhanden sei, wo auch nur eiu kleiner Kreuzer vor k m^ kömuz- Jeder Hafen würde zur Herrichtnng für deutsche Bedürfnisse > V lpielige und langwierige Bauten fordern, dennoch würde man damit nicht nur

er fremden großen Marine preisgegeben sein, sondern die dcntsche Besetzung Grenzbotcn U 1905 15