Deutschland und die äußere Politik Frankreichs
der Neichszugehörigkeit pflegen würde, und den der Kaiser dann nur mit Hilfe des Bundesrats absetzen könnte! Der lebenslängliche Statthalter wäre, nicht heute, aber in fernerer Zukunft, der direkte Weg zum Verlust des Reichslandes. Wer das nicht einsehen will, befrage gefälligst die deutsche Geschichte des sechzehnten und des siebzehnten Jahrhunderts.
Nein! Will man in Elsaß-Lothringen und an Elsaß-Lothringen irgend etwas ändern, so kann es nur im Sinne der Erstarknng und Verstärkung der kaiserlichen Gewalt- und Machtbefugnis, der Beziehungen der Kaiserkrone zum Lande geschehen. Alles andre wäre ein gefährlicher Nnsegen. Ob aber der Kaiser selbst dazu bereit ist, ob die deutschen Fürsten geneigt sind, sich ihres ideellen Mitbesitzes zn entänßern, ist eine keineswegs ohne weiteres zu bejahende Frage. -z»
Deutschland und die äußere Politik Frankreichs
n dem Schreiben, das der frühere Ministerpräsident Combes beim Abschied dem Staatschef überreichte, heißt es: „Ich habe das Vertrauen zur geeinigten Linken, daß sie das Werk der geistigen Befreiung, des sozialen Fortschritts und der Annäherung zwischen den Völkern, das mein Ministerium vollbracht hat, verteidigen und weiter fortsetzen wird." Der nene Premier, Mauriee Rouvier, sagte iu seiucr Prvgrammrede in der Deputiertenkammcr: „Nach außen werden wir die Politik fortsetzen, die dank der Unterstützung durch das Parlament nnd der Zustimmung der Natiou, durch die kraftvolle Betätigung unsrer Allianz nnd die Durchführung vorteilhafter Annäherung uach andrer Seite unsre Stellung in der Welt befestigt und unser Land in Stnnden der Gefahr zu einem einflußreichen Faktor der Eintracht unter den Völkern geinacht hat." Das heißt, aus der amtlichen Phraseologie ins Gemeinverständliche übersetzt: Herr Deleasse wird die Politik fortsetzen, die er seit mehr als sechs Jahren vom Quai d'Orsay aus getrieben hat. Bis dahin hatte er das Koloniale verwaltet, und seine erste Tat war es, den Rückzug von Faschoda zn decken. Weder im Volk noch in der Kammer ist man mit allem einverstanden gewesen, was er inzwischen unternommen hat; doch zeigte er von Anfang an eine große Sicherheit und Gewandtheit in der Geschäftsführung, die ihm das Vertrauen der maßgebenden Kreise erwarb. Für sein Fach kam ihm zugute, daß er, der iu jungen Jahren der Patriotcnliga angehört hatte, später in innerpolitischcn Dingen einein in allen Farben schillernden Opportunismus huldigte, der ihm erlaubte, aus eitlem Ministerium ins andre ohne Anstrengung überzngehn. Persönlich ein wohlhabender Mann war er auch den Ansprüchen seiner Stellung nach repräsentativer Seite gewachsen und konnte nicht leicht in den Verdacht kommen, pekuniären Lockungen zugänglich zn sein, was bei französischen Staatswürdenträgern, besonders seit den Tagen von Panama, durchaus nicht so ohne weiteres