Herrenmenschen
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halb gleich zur Polizei und meldete mich, worauf ich zum Arzt und dann ins Krankenhaus geschickt wurde. Der Krankenpfleger, der mich dort behandelte, war ein gelernter Kaufmann; er fragte mich, ob ich im Krankenhaus übernachten wolle, was ich bejahte. Die Bettwäsche war beinahe noch schmutziger als in Apenrade, was ich mir nur damit erklären kann, daß sich selten jemand zuni Waschen dieser Krätzstubenwäsche bereitfinden läßt. Am Abend brachte mir der Pfleger ein belegtes Butterbrot mit Milchtee und am andern Morgen in der Frühe Kaffee. Dann nahm er eine Blechschüssel mit Seife unter dem Bett hervor und schmierte mich von Kopf bis zu Füßen damit ein. Darauf mußte ich in der Küche ein heißes Bad nehmen, und zwar in Gegenwart der Köchin, die aber an solche Schauspiele gewöhnt zu sein schien. Nach dem Bade wurde ich in eine wollne Decke gewickelt und mußte wieder die Treppe hinauf in mein Bett. Dort wurde ich mit einem Präparat eingerieben, dessen Hauptbestandteil Schwefelblüte zu sein schien. Ich wurde nach dieser Prozedur rotgelb uud kam mir vor wie ein Indianer. Dann ging es wieder in ein heißes Bad, wobei mir die Haut stellenweise in Lappen abfiel. Damit war die Kur beendet. Ich fand meine Stiefel frisch geschmiert vor und wurde um neun Uhr entlassen. Das Merkwürdigste dabei war, daß die ganze Behandlung nicht umsonst erfolgt war, sondern daß das Honorar dafür später von meinen Eltern erhoben wurde.
Nach meiner Heilung wanderte ich weiter nach Christiansfeld, der letzten deutscheu Stadt vor der dänischen Grenze. Dort traf ich drei Kunden, die nach Dänemark wollten und mich veranlaßten, mitzureisen. Als wir dieses Projekt in der Fremdenstube besprachen, sagte der Herbergsvater sehr bestimmt: Ihr kommt nie nach Dänemark. Trotz dieser Warnung reisten wir alle vier ab, wurden aber an der Grenze angehalten und nach unserm Reisegelde gefragt, da in Dänemark die Bestimmung besteht, daß jeder, der in das Land will, zwanzig Kronen haben mnß und gezwungen ist, sich an der Greuze ein Aufenthaltsbuch zum Preise vou fünfundzwanzig Öre zu kaufen. Natürlich hatte keiner von uns zwanzig Kronen, meine drei Reisekollegen mochten im besten Falle jeder eine Mark bis eine Mark fünfzig Pfennige haben, und ich, der ich über zwei harte Taler verfügte und geglaubt hatte, daß hierfür ganz Dänemark zu haben sei, war am meisten enttäuscht. So blieb uns also nichts andres übrig, als unsern Vorsatz zunächst aufzugeben und nach Christiansfeld in die Herberge zurückzukehren, wo uns der Herbergsvater mit Lachen empfing. Der Aufenthalt dort war für meinen Beutel nicht gerade vorteilhaft, denn ich verspielte noch an demselben Abend einen von meinen beiden Talern.
(Fortsetzung folgt)
Herrenmenschen
Roman von Fritz Anders (Max Allihn) (Fortsetzung)
, oktor Ramborn hatte wirklich, wie er sich neulich auf dem Eise vorgenommen hatte, ein Fischgeschäft errichtet. Er hielt sein Wort und kaufte alle Fische auf, die die Kupscheller nicht anders kaufen wollten als ini Ramsch und unter Vermittlung des Branntweins. Kondrot war der Geschäftsagent. Er kaufte die Fische ein und fuhr die Ware Zubers Eis nach Strcmßbeck und von da mit der Bahn nach N. Dabei kam es den Fischern nicht darauf an, ihren Wohltäter zu betrügen, wo sie konnten, in der Meinung, daß ein richtiges Handelsgeschäft nur im Betrügen und
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