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Unter Kunden, Komödianten und wilden Tieren : Lebenserinnerungen : (Fortsetzung) : Wieder auf der Walze
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Unter Kunden, Komödianten und wilden Tieren

Lebenserimiernngen von Robert Thomas (Fortsetzung)

Wieder auf der Walze

eher Strehla wanderte ich »ach Oschatz und stieß dort die Krcmtcrer. Als mich einer nach meinen Papieren fragte, bemerkte ich zu meinein Schrecken, daß ich diese in Strehla hatte liegen lassen, erklärte aber gleich, daß ich zurückgehn und sie holen würde. Ich machte den zwei­stündigen Weg noch einmal, fand die Papiere auch noch vor und kehrte nach Oschatz zurück, wo ich sie dem Meister zeigte, der mir ein Geldgeschenk gab. Über Würzen, Brcmdis uud Taucha wanderte ich weiter nach Leipzig, blieb dort eine Nacht in der Väckerhcrberge, die damals in der Wind- mühlenstraße war, nnd gelangte über Halle und Kötheu nach Brcumschweig. Da ich unterwegs wieder deutsche Reichskäfer aufgelesen hatte, talfte ich bei einein Apotheker Insektenpulver und machte davon so reichlichen Gebrauch, daß ich ohne die lästige Einquartierung in die Herberge zur Hemmt einrückte. In Braunschweig erhielt ich das sogenannteStadtgeschenk" im Betrage von zwanzig oder dreißig Pfennigen, das dort wie noch in verschiednen andern Städten von Vereinen auf­gebracht und au wandernde Handwerksgesellen, deren Papiere in Ordnung sind, gegeben wird. Dort bekam ich auch Arbeit zugewiesen, uud zwar eiue solche, die niit meinem Metier nicht viel zu tun hatte; ich mußte in einer Ziegelei, die eine Stunde von Brauuschweig entfernt lag, die Lehmmassen herbeischaffen und die ge­formten Ziegel zu dem Ringofen fahren. Die Ziegelei beschäftigte mehr als hundert Personen, die in einer Art Kaserne auf sehr primitiven Betten schliefen. Die Arbeit war sehr schwer, Lohn und Kost waren mäßig, ich hätte es trotzdem aber länger als vierzehn Tage ausgehalten, wenn mich nicht die Unzahl von Flöhen Vertrieben hätte. Ich schnürte also wieder mein Bündel und wanderte nach Hannover, wo ich einige Tage in einer Getreidehandlung arbeitete nnd Maissäcke im Gewicht von drei Zentnern zu tragen hatte. Dann ging ich nach Lüneburg und schickte mich an, die Lüneburger Heide zu durchwandern. Bei der ersten Tageswanderung traf ich im ganzen nur drei Häuser und erhielt in jedem eine Schüssel dicker Milch. Da ich keine Aussicht hatte, an diesem Abend ein Nachtquartier zu finde», sah ich mich genötigt, das erstemal in meinem Lebeneine Platte zu reißen," d. h. bei Mutter Grün zn schlafen. Zum Glück war die Witterung, obwohl wir schon Oktober hatten, noch leidlich mild uud trocken. Ich bettete mich unter einem Bnsch in den knietiefen Sand, benutzte den Berliner als Kopfkissen und meinen Rock als Bett­decke. Als den größten Vorzug dieses Lagers kaun ich anführen, das; es frei von Flöhen und deutschen Reichskäsern war. Anderntags wanderte ich weiter nach Ülzen und von dort nach dem als sehr heiß bekannten Hcirburg. Der Butz steppte mich denn auch schon, als ich gerade den dritten Krauterer stieß, mußte mich aber meiner Wege gehn lassen, da ich ja die Berechtigung hatte, um Arbeit vorzu­sprechen. Diese erhielt ich nun zwar nicht, wohl aber reichlich Geschenke, die mich iu die Lage setzten, zu Schiff nach Hamburg zu fahren.

Auf Hamburg hatte ich mich schon lange gefreut, getreu der alten Handwerks- bnrschenregel:In Dresden uud Leipzig bin ich gewesen, nach Hamburg steht niir