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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel. Es ist ein bemerkenswertes Symptom der Lage, daß Italien beginnt, seine Stellung als Mittelmeermacht starker zu betonen. Die italienischen Flottenmaßnahmen, die Entsendung von Schiffen nach Kreta, und die sehr bestimmte Sprache der italienischen Regierung vor der Kammer über Tripolis sind Anzeichen in dieser Richtung. Auch ist es wohl nicht unbemerkt geblieben, daß dieHoheu- zollern" in jedem italienischen Hafen, den sie mit den sie begleitenden Schiffen anlief, italienische Kriegsschiffe, oder doch wenigstens eins vorfand, das der deutschen Kaiser­standarte die Ehrenbezeugungen erwies und der deutscheu Flagge gegenüber die italienische repräsentierte. Es war das nicht nur ein Höflichkeitsakt, sondern zu­gleich die Bekundung eines starken und selbstbewnßten Nationalgefühls. Die See­rüstungen Italiens sind überdies aber auch eine sprechende und überzeugende Wider­legung der französischen Behauptung, daß der Dreibund Italienunerschwingliche militärische Lasten" auferlege. Die Verstärkung der italienischen Flotte hat mit dem Dreibunde gar nichts zu tun, sie ist im Gegenteil nötig geworden trotz dem guten Einvernehmen nnt England und trotz dem wesentlich gebesserten Verhältnis zu Frankreich. Aber Italien begreift, daß wenn es in den Zukuuftsfragen, die auf und am Mittelmeere des Anstrags harren, seine Stellung behaupten will, es dies in einer Stärke tun muß, die es davor schützt, von einem Stärkern an die Wand gedrückt zu werden.

Was Italiens Stellung im Dreibunde anlangt, so hat sich Minister Tittvni vor wenig Tagen erschöpfend darüber ausgesprochen und die von französischer Seite sorgfältig genährte Anschauung zurückgewiesen, daß der Dreibund weniger vorteil­haft für Italien als für Deutschland und Österreich-Ungarn sei. Wäre dies der Fall, so würden nicht König Umberto und Crispi so überzeugte Anhänger des Bündnisses gewesen sein, und König Viktor Emanuel sowie seine Berater hätten keinen Grund gehabt, ein Verhältnis zu verlängern, das für Italien nur Nachteile und keine Vorteile bot. Die Italiener sind jedenfalls die besten Wächter ihrer Interessen. Sie wissen ganz genau, daß eiue Trennung vom Dreibünde sie in das Verhältnis einer Sntrapie zu Frankreich und in einen Gegensatz zu Österreich bringen würde. Minister Tittoni stellte dem Dreibunde das Zeugnis ans, daß er sich alsein kostbares Element für die Erhaltung des europäischen Friedens" er­wiesen habe, nud daß Italien ihn anch fernerals ein Unterpfand nnd eine Garantie des Friedens und als einen wichtigen Faktor unsrer Politik" betrachte. So sagte wörtlich der italienische Minister in der Kammersitzuug vom 12. dieses Monats. Er fügte hinzu:Wenn der deutsche Kaiser der willkommen geheißne Gast Italiens und seines Königs war, nnd wenn Graf Goluchowski in Venedig den Besuch erwiderte, den ich ihm in Abbazia gemacht habe, so hatte weder der Besuch des deutschen Kaisers den Zweck, die Bande des Dreibundes zu stärken, denn diese hatten sich nicht gelockert, noch hatte die Zusammenkunft in Venedig den Zweck, unsre Beziehungen zu Österreich-Ungarn, die ausgezeichnet sind, zu bessern oder das Einvernehmen, das schon vollständig war, noch enger zu gestalten. Alle Fragen wurden mit Österreich freundschaftlich besprochen und geregelt, Deutschland hatte den einzigen Wunsch, daß das Einvernehmen zwischen Italien und Österreich-Ungarn weiter fortbestehe." Diese Erklärung ist gewissermaßen die amtliche und parla­mentarische Bestätigung der Freundschaftsversicherungen, die in dem Dcpeschenwechsel des deutschen Kaisers nnd des Königs von Italien so bestimmt ausgedrückt worden waren. Es ist für Italien sicherlich von großem Wert, sowohl Frankreich als auch England gegenüber, daß es Deutschland uud Österreich-Ungarn so mit voller Ge­wißheit hinter sich hat, und immer wieder stellt sich von neuem heraus, daß der Dreibund schließlich doch der friedeheischende Regulator der europäischen Politik ist. Feindliche Machenschaften werden dagegen nicht aufkommen, nnd im Grunde ge- uvmmeu müßte jede verständige englische Staatsknnst darauf ausgchn, nicht den