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Die Ästhetik als Norm der Menschenwürdigung
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Nach der Hühnersuche

für die Heldinnen oder die Helden einer Geschichte durch Ausmalung ihrer ästhetischen Vorzüge wachzurufen, jetzt manchmal die Gefahr in sich birgt, die geistigen Normen der Menschenwürdigung in den Hintergrund zu drängen.

EMMMW

Nach der Hühnersuche

Line Spukgeschichte für Weidmänner von Julius R. Haarhaus

(Schluß)

> ch hatte wohl eine gute halbe Stunde neben meiner Beute im Grase gesessen, als mich die schnell hereinbrechende Dämmerung daran ge­mahnte, daß es an der Zeit sei, zum Schlosse zurückzukehren und einen Wagen zu holen. Um die Stelle, wo der Hirsch lag, bequem wiederfinde» zu können, bog ich das höchste Birkenstämmchen nieder, ! befestigte an dessen Wipfel mein Taschentuch und steckte dann noch meinem Dreißigender einen grünen Bruch in das Geäse, zum Zeichen, daß er von Weidmannshand auf gerechte Art gestreckt worden sei. Denn die Möglichkeit, daß ihn ein andrer finden könnte, ehe ich mit dem Wagen zurückgekehrt wäre, war nicht ganz ausgeschlossen.

Als ich aus dem Walde trat, sah ich draußen auf der Heide ein mit zwei schweren Rappen bespanntes Geschirr vom Schlosse her geradeswegs auf mich zu­kommen. Es war ein Leiterwagen, auf dem außer dem Kutscher noch vier Männer saßen, die mich schon aus weiter Entfernung durch Schwenken ihrer Mützen und Hüte begrüßten. Offenbar hatte man im Schlosse meinen Schuß gehört und sofort Leute entsandt, die den Hirsch holen sollten. Martin, der neben dem Kutscher ge­sessen hatte, sprang vom Wagen, riß von der nächsten Kiefer ein Zweiglein ab und überreichte mir den Bruch uach gutem altem Weidmannsbrauch auf der flachen Klinge seines Hirschfängers. Während ich meinen Hut damit schmückte, schnallte der Kutscher die Zügel des Handpferdes los, legte ihm Stränge und Wagenscheit über den Rücken und bat mich, die Führung zu übernehmen. Ich schritt also voran, während die Leute mit dem Pferde folgten. Beim Hirsche angekommen, legten sie ihm ein Seil dicht über den Rosen um das Geweih, verknüpften es mit dem Wagenscheit und ließen so meine Beute durch den Gaul aus dem Walde schleppen, was keine leichte Arbeit war, da sich die mächtigen Kronen aller Augenblicke im Buschwerk verfingen und mit dem Weidmesser wieder aus der Verstrickung gelöst werden mußten. Endlich hatten wir den Hirsch draußen im Freien, und nun galt es, ihn auf den Wagen zu heben. Wir mußten alle sechs wacker mit zugreifen, kamen aber, weil der schwere Körper unsern Händen immer wieder entglitt, erst nach mehreren vergeblichen Versuchen zum Ziel. Als der Hirsch glücklich auf dem Wagen lag, stützte Martin mit ein paar Gabelhölzern den Kopf, sodaß das Geweih aufrecht stand, und schob von allen Seiten grüne Brüche darunter. Dann schwangen wir uns hinter den Kutscher und fuhren zum Schlosse.

Bei unsrer Ankunft stand die Hellentaler Jagdgesellschaft beinahe vollzählig auf der Rampe. Die Herren nahmen den Hirsch genau in Augenschein, unter­suchten Ein- und Ausschuß, maßen Stärke und Auslage der Stangen und den Um­fang der Rosen und schüttelten mir einer nach dem andern glückwünschend die Hand. Zuletzt erschien auch der Schloßherr, auf dem Kopfe ein graues Lodenhütchen, an dessen rechter Seite ein Spielhahnstoß stak.

Der Baron gratulierte mir, legte die Hand auf meine Schulter, sah mir scharf ins Auge und sagte: Es freut mich, Sie als Hausgenossen begrüßen zu können.