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Im Lande des Kondors : Plaudereien aus Chile :
(Fortsetzung)
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Im Lande des Kondors

Plaudereien aus Chile von Albert Daiber (Fortsetzung)

eber den schönen Fluß, an Breite den Rhein bei Köln über­treffend, mit grünem, klarem Wasfer, lasst ich mich nach der Insel Teja übersetzen. Dort liegt die Brauerei der Gebrüder Anwandter, die sich aus kleinen Anfängen zu einer imposanten Größe entwickelt hat. An sie gruppieren sich hübsche Familien­häuschen, jedes für sich stehend, mit reizenden Gartenanlagen. Hier hat sich die Natur, verständnisvoll geleitet, in südlicher Pracht entfaltet. Maiglöckchen von einer Größe und Schönheit, wie ich sie nie zuvor gesehen habe, blühen gerade, ebenso duftende Rosen und andre heimische Blumen. An die Brauerei stößt der von dein Begründer der Firma angelegte Park und ein kleiner, eben­falls von ihm selbst gepflanzter Eichenwald. Im Parke liegt ein schmuckloses Familiengrab. Hier ruht der Pionier deutscher Kultur im fernen Chile. Seine alte Heimat hat er nie wieder gesehen. Aber wie sein nur der Arbeit ge­widmetes Leben ein echt deutsches war, so ist auch seine Grabstätte einfach, würdig und unter den rauschenden Bäumen und Sträuchern voll Poesie. Von der Schönheit und dem Reichtum der grünenden, blühenden, duftenden Natur, von dem Ausblick auf Fluß, Stadt und die fernen Höhenzüge der Cordillern bin ich geradezu begeistert. Wahrlich, von der Höhe der Insel aus, bei klarem, sonnigem Wetter ist der Anblick Valdivias anmutend und ganz anders als vom Flnß aus. Der Ausdruck eines tiefen Friedens liegt über dem ganzen Landschafts­bilde und wirkt deshalb auf den Beschcmer selbst wieder beruhigend.

Der Abend zog herauf, als ich wieder über den Fluß der Stadt zufuhr. Reich an nenen Eindrücken suchte ich den deutschen Klub auf, wo ich ebenso billig wie gut speiste. Nachher wurde ich von einigen Herren, die mich freundlich begrüßten, zu einer gemütlichen Kegelpartie eingeladen. Erst spät ließ man mich mein einfaches Lager im Hotel Colon wie stolz das klingt, und wie un­glaublich bescheiden es war aufsuchen. Sollte man es für möglich halten, aber ich konnte nicht einschlafen, denn mein Kabinenbett fehlte nur! Was für ein Gewohnheitsgeschöpf ist doch der Mensch!

Früh am andern Morgen, um sechs Uhr schon, wanderte ich wieder in Valdivia herum. Meinen gestern gewonnenen Eindruck brauchte ich auch heute, trotz des prachtvollsten Wetters, nicht zu korrigieren. Bei meinem Freunde Behrens, der Schiffs- und Maschinenbauer ist und über hundertundfünfzig Arbeiter in seinem Etablissement beschäftigt, nahm ich den Kaffee ein und später unter blühenden Rosen im wohlgepflegten Garten ein Frühstück mit Apfel­wein, sogenanntem Most. Wie herrlich mundete mir das heimische Getränk!