Montesquieu
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sein, aber ich habe sie nie wieder so genossen. Poseidon war gnädig und sandte uns endlich „nach sehnlichem Harren günstigen Fahrwind." Aber er führte nns nur bis in die Nähe unsers Zieles, dann mußten wir „arbeitend mit schöngeglätteten Rudern" das Meer erregen, „und müd hinsanken die Glieder." Die Sonne schwand, die Sterne zogen herauf, und uns narrte lange das Südwestkap von Lemnos. Fern im Westen glitt das Licht eines großen Dampfers dahin. Und endlich, endlich leuchteten nns auch die Lichter von Kastro. Nach vierzehnstündiger Fahrt liefen wir wieder in den Hafen ein.
Montesquieu
von Hans von Metzen
or hnndertundfünfzig Jahren, am 10. Februar 1755, verschied Montesquieu, der große französische politische Schriftsteller, der bekanntlich im Verein mit Rousseau einen außerordentlich weitgehenden Einfluß auf die Gestaltung der staatlichen Verhältnisse der ganzen Welt ausgeübt hat. Er war geboren am 18. Jannar 1689 auf dem Schlöffe La Brede bei Bordeaux und stammte aus einer vornehmen Adelsfamilie, die dem Lande eine Reihe wackrer Krieger und tüchtiger Juristen geliefert hatte. Er wurde 1714, sobald er das vorschriftsmüßige Alter von fünfundzwanzig Jahren erreicht hatte, Rat bei dem Parlamente zu Bordeaux, dem obersten Gerichtshofe der Provinz Guyenne. Im folgenden Jahre heiratete er Jeanne de Lartigue, die ihm hunderttausend Livres zubrachte, eine vortreffliche, tüchtige Frau war, aber nur wenig Reize hatte. Merkwürdigerweise war bei der Eheschließung vor dem Pfarrer einer der Zeugen ein Schneider, der seinen Namen nicht unterschreiben konnte. Ein Onkel von Montesquieu, pr^siäsrlt g. mortisr (Senatspräsident) bei demselben Parlamente, der ihn nach dem frühzeitigen Tode des Vaters in seine Obhut genommen hatte, hatte die Dame für ihn ausgesucht. Im Jahre 1716 erhielt Montesquieu selbst die Stelle des Onkels, die ihm dieser mit seiner ganzen übrigen Habe testamentarisch hinterließ. Alle diese Posten waren damals in Frankreich vererbliche und veräußerliche Vermögensobjekte.
Montesquieu fand wenig Geschmack an Amt und Familie. Er benahm sich in beiden Lebenskreisen mit Anstand aber entzog sich ihnen soviel wie möglich und hielt sich mehr in Paris als zu Bordeaux oder auf seinem Gute La Brede auf. Er war ein Mann von viel Geist aber kein Heiliger. Er liebte ernste Studien sehr, schützte aber andrerseits auch die Welt und das Vergnügen. Wollte man diesen Zug des leichtlebigen Gascogners mit Rücksicht auf die sonstige Größe des Mannes unterdrücken, so bliebe sein Bild unvollständig. Auch seine Schriften würzte er, dem damals herrschenden Geschmack entsprechend, vielfach mit Laszivitäten. Es war die Periode vor und nach der Regentschaft des Herzogs von Orleans.