Beitrag 
Die Lebensschicksale eines geisteskranken Fürsten zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges :
(Schluß)
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

Die italienische Renaissance eine germanische Schöpfung

255

Die Wände des Kerkers und der sonstigen Räume der Kustodie im Kvrnhcmse zu Weimar wurden bald darauf niedergelegt. Auch in den Ge­bäuden des Kammergnts zu Oldisleben ist der dortige Kerker nicht mehr nach­zuweisen. Dafür lebt die Erinnerung an das qualvolle Eude des Herzogs im Munde der Bevölkerung fort. Freilich hat sich dabei das Geschichtliche fast ganz verloren. Aus dem wehrhaften Kriegsmann ist trotz den vom Super­intendenten Eckard empfohlneu vorbeugenden Maßnahmen ein scheues Ge­spenst geworden, das in der Umgebung des Koruhauses in der Gestalt eines grauen, buckligen Zwergs während der Dämmerung umgeht und besonders denen erscheint, deren Ende herannaht. Noch jetzt wollen ältere Frauen den löschpapierneu Prinzen," wie er wegen seiner Farbe genannt wird> nicht nur gesehen, sondern sogar mit ihm gesprochen haben.

Herzog Johann Friedrich der Sechste ist der Letzte seines Namens im Sachsen - Ernestinischeu Hause. Wie die Nameu besonders glücklicher Fürsten von den Nachkommen mit Vorliebe wieder gewählt werden, so scheut man sich vor der Wahl der Namen besonders unglücklicher Fürsten. Zn diesen gehörten die sechs Träger des Namens Johann Friedrich im Hause Sachsen von Johann Friedrich dem Großmütigeu an, der in der Schlacht bei Mühlberg die Kur­würde und seine Freiheit verlor, bis zu Johann Friedrich dem Sechsten, der uns als der unglücklichste von allen erscheinen muß.

Die italienische Renaissance eine germanische

Schöpfung

udwig Woltmann, der Herausgeber der Politisch-anthropo­logischen Revue und Verfasser einer politischen Anthropologie, hat deu Plan einer anthropologischen Kulturgeschichte entworfen, die das, was bei Gobineau und Chamberlciin als kühne In­tuition erscheint, auf die solide Grundlage der exakten Wissen­schaft stellen und nachweisen soll, daßder Gehalt eines Volkes an blonder Nasse seinen Kultnrwert bestimmt." Diesen Plan führt er nur skizzenhaft, wie er sagt für Italien aus in dem Buche: Die Germauen und die Re­naissance in Italien. Mit mehr als hundert Bildnissen berühmter Italiener. (Thüringische Verlags anstatt, Leipzig, 1905.)Italien ist das geeignetste Objekt für eine solche Untersuchung. Seine soziale und seine geistige Geschichte ist gründlich erforscht, und kein Volk Europas ist in seiner anthropologischen Struktur so genau bekannt wie das italienische. Nirgends finden wir auch so zahlreiche und vortreffliche ikonographische Hilfsmittel, und nirgends eine so umfangreiche und ausgezeichnete genealogische und biographische Literatur." Die Renaissance ist nach ihm nicht eine Wiederbelebung der autiken Kultur, obwohl natürlich die von dieser ansgegcmgnen Anregnngeu nicht geleugnet