Beitrag 
Salzburg und die Tauernpässe. 2
Seite
247
Einzelbild herunterladen
 

I>ic Lcbensschicksale ciües geisteskranken Fürsten 247

Königspfalz. Bon Birununr aus verzweigten sich die Straßen ins Drautal nach Ost und West. Die westliche ging nach dem Nordufer des herrlichen Wörther Sees und an diesem entlang, wo bei Krumpendorf ein Meilenstein ans der Zeit des Septimius Severus die Entfernung von Virnnum anf 15 m. x. (22,5 Kilometer) angibt, und mündete bei Villach (Scmticum) in die ostwestliche Straße im Drautale. Die Richtung der heutigen Eisenbahn Klagen- furt-Villach beruht auf einer Verdrückung jener Linie nach Süden, eine Folge des Emporkommens von Klagcnfurt, das an der Furt der Klage (d. i. Glan) erst seit dem dreizehnten Jahrhundert hervortritt, 1268 mit Marktrecht und Bnrg als salzburgisches Lehen an den Herzog von Kärnten gegeben wurde und so erst im sechzehnten Jahrhundert an Stelle des ältern St. Veit zur Landeshauptstadt geworden ist.

Die Lebensschicksale eines geisteskranken Kirsten

zur Zeit des Dreißigjährigen Arieges

(Schlich)

UN beginnt die anderthalbjährige strenge, geheime und mit un­erhörter geistiger Folter verknüpfte Haft, aus der nur der Tod den unglücklichen Fürsten erlösen sollte.

Gleichsam zur Rechtfertigung dieser Maßnahme wurde zunächst eine Durchsuchung der, abgesehen von dem aus neunuuddreißig Pferden bestehenden Marstall, sehr dürftigen Fährnis Johann Friedrichs in Jchtershausen, Tambuchshof, Reinhardsbrunnen und Georgenthal vorgenommen, alles Verdächtige beschlagnahmt und die meist ans gutem Grunde sehr zurück­haltenden Zeugen seines Treibens verhört. Zugleich erschienen zwei Rechtsgelehrte, Rudolf von Dieskau und Friedrich von Kospoth, sowie drei Theologen, der Generalsuperiutendent Cromayer ans Weimar und die Professoren Major und Gerhardt aus Jena, zu einer Vernehmung des Herzogs selbst. Die Nechtsge- lchrten scheinen mit Rücksicht auf die geistige Verfassung des hohen Jnkulpaten ihr undankbares Amt sehr bald aufgegeben zu haben. Mit um so größerer Hin­gebung und Ausdauer bemühte sich von nun an aber die Geistlichkeit um den unglücklichen Fürsten, indem sie ihn auszuforschen, zum wahren Glauben zurück­zuführen und den Teufel aus ihm auszutreiben versuchte.

Mit besondrer Sorgfalt waren der Herzog Wilhelm und seine Brüder be­strebt, zu verhindern, daß von seiner Inhaftierung und ihren Gründen, die nach den damaligen Ehrbegriffen als ein Schimpf für das ganze Haus Sachsen empfunden wurden, das Geringste nach außen dringe. Der Kerker derhoch angefochtneu fürstlichen Person," wie der Herzog zu größerer Geheimhaltung unter Weglassung seines Namens von jetzt ab bezeichnet wurde, bestand aus zwei starkmmirigen und gewölbten Räumen, die durch eine geschlossen gehaltue Tür und ein offnes Loch verbunden waren. Das Hintere Gemach war für