Historisch-dramatisches Figurenkabinett
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beim Gottesdienst, so den Kopten, den Goten, den Wandalen, den Slawen, den Türken und unterschied nicht zwischen Predigtsprache und liturgischer Sprache. So ließ schon Chrysostomns in Konstantinopel einen gotischen Bischof in seiner Sprache Liturgie halten und predigen und bestieg zum Schluß selbst die Kanzel und pries die Macht des Evangeliums, das in allen Sprachen verkündet werde. Wenn sich Rom den Slawen gegenüber nachgiebiger zeigte als den Germanen gegenüber, so war das der Rücksicht auf Ostrom zu verdanken. Allerdings bedeutete die Nachgiebigkeit der Griechen Schwache, während die abendländische Zusammenfassung Kraft bewies und Macht und Einfluß brachte.
Das Gemeinsame, Verbindende war in der griechischen Kirche ihre ruhmvolle Vergangenheit, die Pflege ihrer Tradition. Aber diese Vergangenheit drückte allzusehr; sie fesselte und lahmte mehr, als sie belebte und anregte, und so ist in der Kirche wie im Staate alles verknöchert. Unter dem Einflüsse des orientalischen Geistes Pflegte die griechische Kirche mit einer an das Judentum gemahnenden Ängstlichkeit Formen und Zeremonien. Die Zeremonien aber wie Kniebeugungen und Bekreuzungen, die Reliquien und die Bilder erstickten den Geist der Religion, und heute geht das orientalische Religionswesen in lauter Äußerlichkeiten auf, während im Abendlande immer wieder religiöse Bewegungen — auch die häretischen leisteten diesen Dienst ^gerade diese eigentlich allein) — zum Abstreifen von Formen, die leere Hülsen geworden waren, und zur Verinnerlichung nötigten. Die Kraft und Tiefe einer Religion hängt viel weniger vom Bildungsgrade ihrer Bekenner ab als von deren Charakter und Willensstärke, von der Werktätigen Liebe, vom Opfersinn, vom Sinn für Ordnung und Einheit.
Wer römische Kulturgeschichte nur zur Vervollständigung seiner allgemeinen Bildung studieren will, dem ist statt des schwer zu bewältigenden Friedlünder unbedingt der kürzere und dabei vollständigere Grupp anzuraten. Wer wissenschaftliche oder literarische Zwecke verfolgt, der kann zwar neben den Quellen und den maßgebende» Geschichtswerken Friedländer nicht entbehren, aber er wird daneben auch Grupp mit Nutzen gebrauchen. Bietet dieser ihm, abgesehen von manchen Spezialitüten der christlichen Altertumswissenschaft, stofflich nicht gar viel neues, so enthüllt er ihm dafür neue Ansichten des vertrauten Gegenstandes und regt ihn dadurch auf mannigfaltige Weise an.
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!aria Stuart, Königin Elisabeth. Daß sich unserm Schiller das tragische Ende der Königin von Schottland unter vielen andern geschichtlichen Begebenheiten als Gegenstand eines Trauerspiels ^besonders empfohlen haben muß, liegt bei dem richtigen Blick !und dem feinen Gefühl, die ihn bei solchen Wahlen leiteten, nahe genug. Daß er aber aus dem zu Gebote stehenden reichen geschichtlichen Material ein Kunstwerk ersten Ranges zu schaffen imstande war, verdanken wir neben dieser glücklich getroffnen Wahl der erstaunlichen Vielseitigkeit seiner Begabung, die in ein und demselben Gehirn die Fähigkeiten des Geschichtsforschers, des Philosophen und des frei erfindenden Dramatikers vereinigte. Grenzboten IV 1905 19