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Die Vereinfachung der Arbeiterversicherung
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Die Vereinfachung der Arbeiterversicherung

von Hugo Bottger

>erLokomotivführer der Sozialgesetzgebung" im Reiche, Graf Posadowsky, hat im Februar vorigen Jahres dem Reichstag er­klärt, daß diejetzige Verfassung unsrer gesamten sozialpolitischen Gesetzgebung auf die Länge nicht weiter so bestehn" könne, und !daß, wenn wir nicht vor einer vollendeten Tatsache stünden, niemand daran denken könnte, eine besondre Organisation der Krankenver­sicherung, eine besondre Organisation der Unfallversicherung und eine besondre Organisation der Alters- und der Jnvaliditätsversicherung zu schaffen. Denn Unfall, Krankheit und Invalidität sind drei Zustände, die miteinander in ihren Ursachen und Wirkungen eng zusammenhängen. Ihre sozialpolitische Trennung erklärt sich nur aus der zeitlich getrennten Entwicklung der Gesetzgebung. Diese bildet, obwohl die einzelnen Gesetze ineinandergreifen, kein organisches Ganzes, sondern ein buntes unhaltbares Mosaik. Also muß eine einheitliche Organisation geschaffen werden zur Verbesserung und Vereinfachung des Werks und zur Verringerung der Kosten. Diese Notwendigkeit drängt sich noch mehr auf, wenn man daran denkt, daß demnächst ein vierter Zweig, die Hinter- bliebnenverficherung, erwachsen soll. Graf Posadowsky ist über die Schwierig­keit des neuen Unternehmens nicht im unklaren; er hält die Allmacht und die Kraft eines Diktators gerade für ausreichend, den einheitlichen, klaren und schnell arbeitenden Organismus der Zukunft zu schaffen, und der Staatssekretär des Reichsamts des Innern kennt seine Leute in der Verwaltung und im Parlament. Jedoch die Lösung muß kommen. Die Krankenkassen sind zum Teil der Sozialdemokratie als Stützpunkte der Macht ausgeliefert; ihre Kämpfe mit der Ärzteschaft haben die Kassen in einer keineswegs sozialen Beleuchtung gezeigt. Es hat sich in ihnen eine Rentenhhsterie entwickelt, eine Sucht nach Rente, Simulation und Betrug, daß nach dem Ausspruch eines bekannten Nervenarztes etwa ein Drittel aller Krankengelder nicht für wirkliche Krank­heiten bezahlt werden soll, sondern für fingierte. Bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung hat man finanzielle Schwierigkeiten entdeckt, die man darauf zurückführt, daß die Lokalbehördeu mit Arbeiten überhäuft sind, daß sie die Rentenanträge nicht tief genug prüfe» können und damit die Anträge allzu schcmatisch behandeln. So fehlt ein solider Unterbau, und der Oberbau, das Reichsversicherungsamt, erliegt fast unter dem Druck der Rückstände, die Maschine gerät überall ins Stocken, und das Publikum, die arbeitenden Klassen und die Unternehmer, fühlen sich gleichermaßen benachteiligt.

Wie sehr Vereinfachung not tut, beweisen die Tatsachen und die jüngste Statistik, die eine kaum zu übertreffende Zersplitterung der Kräfte und eine