Innisonne
Türkinnen, wie man sie auf den Straßen der Stadt sonst nie sieht. Sie sehen für ein abendländisches Ange doch seltsam aus. diese fast ganz europaisch und zwar außerordentlich feingekleideteu jugendlichen Gestalten mit dem tiefschwarzen Schleier, der von oben die Stirn und von unten den Mund bedeckend nur einen schmalen Streifen frei läßt, aus dem ein paar feurige dunkle Augen mit brennender Neugier alles in sich aufzusaugen scheinen, was ihnen an solchem Tage vorkommt. Es liegt in der Tat etwas Berückendes in diesen Erscheinungen. Mau spürt bei ihrem Anblick ein unbezwiugliches Verlangen, einmal einen Einblick zu tun in das Seelenleben dieser verschleierten Schönen — vorausgesetzt, daß sie überhaupt über ein solches verfüge». (Fortsetzung folgt)
Iunisonne
Line Novelle von Sovhus Bauditz
m Frühsommer — es war am dreizehnten Juni — hatten drei jüngere Leute im „Basar" im Tivoli zu Mittag gegessen. Sie hatten zwei Flaschen Bordeaux und eine Flasche Pommery getrunken, waren also weder ganz nüchtern noch geradezu angeheitert, aber, wie der eine von ihnen, Niels Hessel, gemütlich sagte, als sie die Zigarren augezündet hatten: Des Herzens Saiten sind gestimmt — wenn nuu nur das Leben selber darauf spielen wollte, ehe die Stimmung wieder verfliegt!
Du bist lyrisch augehaucht, Niels! sagte der zweite, Ingenieur Parbo. Das, was du Stimmung nennst, ist ja nur eine gewisse angeregte Energie, nichts weiter!
Ach, die Lyrik wird bei ihm schon verfliegen, wenn er nnn zum Herbst sein jütisches Majorat übernehmen muß, bemerkte der dritte, Magister Erik Blom, bedächtig.
So, also das glaubst du, entgeguete Hessel. Ich sollte meinen, ihr könntet dankbar sein, daß ich kein produzierender Lyriker bin, sondern mich damit begnüge, die Poesie im Leben, rings um mich her zu suchen.
Wo hast du deuu gedacht, sie hente Abend zu suchen? fragte Blom. Laßt uns auf die Lange Linie hinausgehn und ein wenig frische Luft schöpfen, beeilte sich Parbo zu erwidern, und damit war die Sache abgemacht.
Vor dem Tivoli fing Blom an: Du bist wohl sehr stolz auf das Majorat, das dein Onkel dir hinterlassen hat?
Stolz? Nein, aber ich bin natürlich glücklich darüber. Ihr beide könnt euch doch nicht über das Leben beklagen, dein: ihr habt ja bisher, fowohl als wir zur Schule gingen wie auch später als Studenten, mehr gehabt als ich und habt tun und lassen können, was ihr wolltet.
Du mußt nicht glauben, daß ich im Ernst dächte, daß du irgend etwas vor uns voraus hättest, sagte Parbo.
Ja. wißt ihr. was ich vor euch voraus habe? Nein, das weiß ich wirklich nicht.
Ich habe das vor euch voraus, daß ich noch daran glaube, daß ich eines schönen Tags das erleben werde — oder doch auf alle Fälle erleben kann —, was man im täglichen Leben „das Wunderbare" nennt.
Und was ist das, wenn ich fragen darf?
Ja, was ist das — das ist zum Beispiel, wenn man auf seinem Wege einem Weibe begegnet, das einem alles wird.
Ich möchte es mir doch sehr verbitten, so einem Weibe zu begegnen! erklärte Parbo.