Die Damen auf Markby
von Mathilde Malling (Fortsetzung) 14
ulie saß in der grünen Stube und las in einem Buche. „Die grüne Stube," die schon in der Kinderzeit ihr Eldorado und ihre Freistatt gewesen war, lag rechts von der Flur hinter der Bibliothek und war in Wirklichkeit eins der ältesten und eigentümlichsten Gemächer des ganzen alten Markbyhofes. Es war groß und niedrig wie all die andern auch und hatte einen riesigen Alkoven, worin ein großes Himmelbett mit mächtigen vergoldeten Pfosten stand, das weiß lackiert und fast ebenso breit wie lang war. Die Fenster, die freilich etwas sehr hoch über dem Boden saßen, waren klein und breit, fast quadratisch, sodaß die Vorhänge nur aus weißen, in Falten gelegten „Wolken" bestanden. Die Möbel, die seinerzeit — vor hundert Jahren — direkt aus Frankreich verschrieben worden waren, hatten Überzüge von gestreiftem seidnen VIsu-eÄsstg-Damast. Sie waren nun nach moderner Art geschmackvoll gruppiert, und wegen des kalten Fußbodens war in der letzten Zeit das ganze Zimmer mit einem hellen Brüsseler Teppich belegt worden. Auf dem breiten Gesims des altmodischen grünen Tonofens stand eine Menge Raritäten: Figuren aus Sevres und Meißen, kleine seltene Dosen und böhmische Gläser sowie verschiedne Photographien von jungen Mädchen in modernen Rahmen. Ein Relief, das eine Hirtin mit einem Lamm vorstellte, die vor einem pausbäckigen Amor floh, schmückte die Vorderseite des Ofens. Darunter hatte ein Bruder Lustig aus dem vorigen Jahrhundert, der es vielleicht auch verstanden hatte, einen Pinsel zu führen, mit zolllangen schwarzen Buchstaben geschrieben:
^.u äiMg nug ZZsiMi'ö, Hui vsut strs ti'vp Mi's.
Ein Stück weit vom Ofen entfernt in einem der dünnbeinigen Lehnsessel, die im Rücken ein medaillonförmiges Polster hatten, saß nun Julie mit ihrem Buch. Und mitten in dem schrägen, winterlich bleichen Sonnenstreifen vor ihren Füßen lag wie gewöhnlich „Mamsell," der alte Jagdhund ihres Vaters.
Da ging jemand durch die Bibliothek — Mamsell wedelte trüg mit dem Schwänze, und Julie fuhr zusammen. Die Tür öffnete sich, und nun stand Julie rasch auf,' es war Erik Briant in höchsteigner Person.
Guten Tag. Julie. . . . Gut gut. Mamsell! . . . Pfui, schäme dich, alter Kerl! Er beugte sich über den Hund und streichelte ihn, kraute ihm freundlich den Hals und sah Julie nicht recht an, die sich still, aber sehr blaß wieder gesetzt hatte.
Wie bist du hereingekommen? fragte sie.
Auf die einfachste Weise, die Treppe herauf, durch die Flur und die Bibliothek. Nirgends war ein Mensch zu entdecken, und da dachte ich mir . . . daß du hier sein werdest.
Erik, sagte Julie, ohne aufzusehen, aber sie wußte, daß sie sich Mühe gab, mit einer gewissen Würde zu sprechen, ich bin noch nie böse auf dich gewesen, obgleich du es bei Gott oft verdient hättest! Aber jetzt . . .