Die Damen auf Markby
von Mathilde Mcilliilg (Forlsetzung) 7
lli und Fräulein Bibbi hatten sich sehr befreundet. Sonderbar ist sie freilich auch, wie alle drüben auf Groß-Markby, sagte Elli überlegen zu Erik, als dieser sie mit ihrer neuen „Inklination" neckte, aber „ganz klug." Dies „ganz klug" — sie beschrankte es immer mit „ganz," wenn von andern die Rede war — war das größte Lob, das Fräulein Elli Bertel in geistiger Beziehung einer Mitschwester zuteil werden ließ.
Ihre — Ellis und Bibbis — gegenseitige Zuneigung stammte eigentlich von dem Tage her, wo sie einen gemeinschaftlichen Spaziergang in den Markbyer Wald gemacht hatten, um Champignons zu suchen. Auch Jnlie hatte sich angeschlossen, als man jedoch die Hütte der Weber-Jnger oben ans dem Hügel erreicht hatte, wollte sie nicht weiter gehn. Sie blieb, die Hände um die Knie gefaltet und den fast leeren Korb neben sich, auf der hohen steinernen Türschwelle sitzen.
Elli nnd Bibbi blieben eine Weile vor ihr stehn und betrachteten sie, dann sagte Bibbi eindringlich:
Ja, bleib du nur da, meine Liebe.
Ich habe schreckliche Kopfschmerzen, murmelte Julie sich entschuldigend. Sie hatte jetzt immer „Kopfschmerzen."
Die beiden andern suchten weiter nach Schwämmen, aber nachdem sie eine gute Strecke im Walde drin waren, und Weber-Jngers Haus nicht mehr zu sehen war, nahm Elli entschlossen das Blatt vom Munde und sagte:
Daß sie doch, wenn sie allein sein will, keinen andern Vorwand ausfindig machen kann als diese ewigen kindischen Kopfschmerzen.
Fräulein Bibbi sah rasch auf; sie war eben im Begriff, sich nach einem nicht allzu feuchten Sitzplatz umzusehen; nun aber ließ sie sich ohne weiteres schwer auf die Preißelbeerbüsche niedersinken.
Arme Jnlie! — Sie schwieg eine Weile und seufzte, sah aber Elli nicht au. — Und eigentlich müßte sie ja recht glücklich sein! fügte sie leiser, wie unwillkürlich hinzu.
Ja, so wie sie alles iu Hülle und Fülle hat, dachte Elli. Ein andrer armer Tropf aber... Sie seufzte und las die Tannennadeln von ihrem abgetragnen Cheviotkleid ab.
Ach Elli! — Fräulein Bibbis Stimme klang recht sonderbar, halb ueidisch, halb sehnsuchtsvoll. — Du bist noch so jung.
Elli versuchte zu lachen, es rührte sie, daß jemand sie beneidete. Ja, jung und arm wie eine Kirchenmaus, vervollständigte sie.
Was tut das? sagte Bibbi, an einem verdorrten Grashalm kauend. Wenn man nur jung ist und eine Stimme und ein Aussehen hat wie du ...
Ach, daß Gott erbarm! Elli war ungewöhnlich befangen, sie wußte uicht recht, was sie sagen sollte; es kam nicht oft vor, daß sie von einer Vertreterin ihres eignen Geschlechts so offenherzig bewundert wurde.