Beitrag 
Der oberösterreichische Bauernaufstand
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

Der oberösterreichische Bauernaufstand

ie hoch man auch den Einfluß der Reformation auf geistigem Ge­biete für das deutsche Volk anschlagen muß, politisch hat sie ihm keinen Gewinn gebracht. Sie hat einen Riß durch alle Verhält­nisse gemacht, der sich bis auf den heutigen Tag noch nicht hat heilen lassen. Ein Teil der deutschen Nation, die Deutschöster-

reicher, stehn außerhalb des neuen Deutschen Reichs mit einer nichtdeutschen Übermacht im Kampfe, den sie nicht zu führen verstehn, weil ihnen die Führer- eigeuschaften fehlen, und sie bloß den Weg der Verteidigung und der Oppo­sition kennen; im Reiche selbst wirkt die Glaubensspaltnng weiter als unver- siegliche Quelle der Parteiverbitterung. Die belebende Wirkung, die der protestantische Geist auf das deutsche Volk ausgeübt hat, hatte sich in gewal­tigen Fortschritten im sechzehuten Jahrhundert gezeigt, Deutschland bot beim Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges den Aublick eines gedeihenden und blühenden Landes voll regen geistigen Lebens, das auch die geringen Reste der katholisch gebliebnen Bevölkerung umfaßte. Das unselige Geschick, daß Deutschland ein Wahlreich war, verhinderte, daß die neue erfrischende Strömung zum Wohle des Ganzen ausgenutzt wurde, sie wandte sich vielmehr gegen die eignen Volksgenossen. Ein Verhängnis war es, daß in entscheidender Stunde ein Fremder zum Kaiser erkoren wurde, der zwar der mächtigste Monarch der Welt war, aber keiu Verständnis für eine Erhebung im Volke hatte, wie sie größer seit der Stauferzeit nicht dagewesen war. Fremde Söldnerscharen tragen infolgedessen dazu bei, den Brudermord zu vergrößern und vorläufige Entschei­dungen zu bewirken, die jedoch nie endgiltig werden konnten, weil die Mehr­heit der Bevölkerung widerstand. Nicht einmal ein dreißigjähriger Krieg brachte eine, sondern endete wegen allgemeiner Erschöpfung. Aber Kraft, Wohlstand und Sitte des deutschen Volkes waren gebrochen, das Reich wurde ein leeres GeHänse ohne lebenskräftigen innern Kern, aus ihm war eine neue feste Grund­lage für die österreichische Monarchie hervorgewachsen. Es würde ein müßiges Gedankenspiel sein, die möglichen Folgen für den Fall auszuklügeln, daß im ersten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts ein Deutscher zum Kaiser gewühlt worden wäre, der die Bewegung seines Volkes zu leiten verstanden hätte. Un­streitig ist wohl nur eins: Rom würde sich gehütet haben, mit einem kirchcn- reformatorisch gesinnten Deutschen Reiche zu brechen, und die Kirchenspaltung mit allen Folgen wäre vermutlich unterblieben. Nachdem der deutsche Kampf einmal ausgebrocheu war, blieb der Kirche freilich nichts andres übrig, als sich für den Teil zu entscheiden, der ihr am nächsten stand. Das Schicksal des ent­völkerten Deutschen Reichs war trostlos, zwei Jahrhunderte bot es das Schlacht­feld dar, auf dem andre Völker ihre Kämpfe austrugen, bei denen Deutsche in