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Glücksinseln und Träume (Fortsetzung). 3. Heimweh
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Die Damen auf Markby

gcintes hat. Der Totenkopf über dem altmodisch geschnörkelten ^qug. I^auroeor^si schreckt mich nicht. Der Blausäuregehalt des Destillats ist nicht allzu stark. Vielleicht ist die Wirkung nur Betäubung, Traum und Rückkehr, vielleicht allerdings auch Sterben. Was macht mir das für einen Unterschied? Hier ist ein altes Glas aus böhmischem Kristall, an dessen Klarheit ich mich schou lange ergötze. Wie un- schnldvoll darin die giftige Flüssigkeit ins Bläuliche schimmert! Ein langer Zug, und noch einer, ich meine beim zweiten schon die Httnde zittern zu fühlen, doch stelle ich den Krug ordnungsmäßig an seinen Platz und steige wie im Traum die Kellertreppe hinauf.

Ich erwachte aus meinem langen Schlaf, die Glieder zerschlagen, der Kopf dumpf, aber mit unzweifelhaftem Lebensgefühl. Ist meine Seele gewandert, so kann sie nur kurze Zeit draußen gewesen sein, ich meine nur Minuten hier zu liegen. Draußen dieselbe Schneelandschaft, die ich verlassen habe. Man spricht an meinem Bette von einem ungewöhnlich heftigen Anfall von Nervenfieber, von einer Reihe von Tagen, die ich besinnungslos gelegen bin, uud freut sich offenbar über mein Wiedererwachen. Briefe, deren Entzifferung mir Kopfschmerz macht, liegen auf dem Tische; ich fühle einstweilen nur die Liebe, die sie ausstrahlen. Der erste Gedanke, der mir halbwegs klar wird, ist die Erwägung, daß es noch Menschen gibt, denen mein Dasein nicht gleichgiltig ist. Sogar der Mann mit der schrauben­förmigen Mütze scheint ehrlich Anteil zu nehmen. Mein Blut stürzt nicht mehr wie ein Katarakt durch die Adern und schwillt bedrohlich in das bebende Herz zurück, es wallt ruhig und gibt mir mit der Ruhe das unbeschreibliche Gefühl der Genesung, das wohl wert ist, daß man um seinetwillen eine Krankheit durchmacht. Mir freilich war es nicht vergönnt, dieses Gefühl auszukosten. Wie konnte, wie durfte ichs? Habe ich nicht freventlich diese Krankheit heraufbeschworen? Ich fange an, wie ein Fremder auf meine Tat hinzusehen, und ich schäme mich derselben vor diesem Fremden, ich wünsche, daß sie verborgen bleibt. Einige Tage später, als ich wieder lesen konnte, bringt man mir unter andern der damals üblichen Miniaturbä'udchen in Goldschnitt und schwarzer Leinwand auch das Bändchen Faust von Nikolaus Lenau mit der Jahreszahl 1836. Als ich im Schlußgesang die Worte Fausts lese, ^ ^ ^ entflatternd deiner Haft,

Ich bin ein Traum mit Lust und Schuld und Schmerz

Und träume mir das Messer in das Herz!

überfällt mich ein so heftiges Gefühl der Reue, daß ich mir entfliehen möchte, und ich

weine Tränen der Scham. ,c> . - / ,x

^ (Fortsetzung folgt)

Die Damen auf Markby

von Mathilde Malling (Fortsetzung) 5

>ulie Sack konnte sich ihrer Mutter nicht erinnern. Doch, ganz dunkel, sie war aber doch nicht so recht sicher darüber: einmal, als sie noch ganz klein war, da war die Mutter die Treppe herab- gekommcn und hatte Gäste empfangen. Julie erinnerte sich ihres Lächelns und ihrer ausgestreckten Hände; es mußte kurz vor ihrem ! Tode gewesen sein. Aus späterer Zeit entsann sie sich nur der Haus-- juugfer Ulla, des Vaters und der Jungen.

DieJunge«," das waren Erik und Arvid; zuerst Erik, dann Arvid. Natür-