Gräfin Susanna
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Pcih, sagte der alte Herr, ein Priester — ein Mönch — ein Pfaffe ___ ein
Geschorner — ein Barfüßler —
Ein sehr guter, gütiger, heiliger Mann. Und da mein Vetter ein gläubiger Katholik ist, glaube ich, daß Pater Angelo meinem Zweck am besten dienen wird.
Pah! Ein Jesuit! sagte der Commeudatore die Nase rümpfend. ,
Er ist kein Jesuit — er ist Kapuziner, berichtete Susanna.
Jesuiten sind sie alle, erklärte er mit einer wegwerfenden Handbewegung. Diese Kuttenträger und Leichenbitter und Traktätchenhändler!
Er drehte seinen mächtigen Schnurrbart in die Höhe, um seine Verachtung mit Nachdruck darzutun.
Stille! sagte Susanna, die vorwurfsvoll ihre Hand erhob. Du darfst nicht über die Religion spotten!
Ich spotte nicht über die Religion, denn alles in allem ist sie eine gute Sache — für Frauenzimmer. Habe ich nicht dafür gesorgt, daß du religiös erzogen wurdest? Aber was diese Priester anbelangt, diese Jesuiten, diesen Vater Angelo — ich möchte sie alle gehängt sehen und zu Schinken geräuchert. Jawohl! fauchte er und warf seinen Kopf in den Nacken zurück.
Ach, ich weiß schon — du bist eben von jeher eifersüchtig auf Pater Angelo gewesen.
Ich? Eifersüchtig auf diesen — diesen Fischgrätennager, spottete der Commen- datore.
Er stand von seinem Stuhl auf und stand sehr steif und gerade vor ihr, das Kinn in die Höhe gereckt, sodaß die Sehnen seines langen Halses scharf hervortraten.
Ich bin ein alter Esel. Ich kann dir nichts abschlagen. Ich gehe also zu deinem Vetter, sagte er.
Tu bist ein lieber alter Vormuud, sagte Susanna; ich wußte Wohl, daß du gehn würdest!
Ihre Augen strahlten voll Siegesfreude, Heiterkeit und Zärtlichkeit. Auch sie erhob sich, und sie streichelte den steifgestärkten Ärmel seines Rockes.
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Nachdem er sich entfernt hatte, schritt sie über eine der leichten Marmorbrücken und ging in den Garten auf der Jsola Sorella an einen von einer Reihe von Steineichen beschatteten Platz. Plattmönche ließen unermüdlich ihr Lied erschallen, Ringeltauben girrten, drüben im Sonnenschein flatterten Schmetterlinge von Blume zn Blume, ein weißer Pfau stolzierte auf und ab, am Rande des Wassers standen zwei langbeinige, krummhalsige Flamingos regungslos wie Schildwachen. Auf der andern Seite der Steineichen warf mitten auf eiuem smaradgrünen Rasenplatz ein Springbrunnen seinen Strahl in die Höhe, der in der Sonne in allen Regenbogenfarben fuukelte. Vou hier aus hob sich Terrasse über Terrasse bis zum Gipfel des Berges empor, den ein Belvedere krönte.
Unzähligem«! wanderte Susanna unter den Steineichen auf und ab, und unzähligem«! sah sie auf ihre Uhr. Ab und zu ließ sie sich auf die eine oder die andre der halbkreisförmigen Marmorbänke nieder, die zur Ruhe einluden, aber bald war sie wieder auf den Füßen und setzte ihre rastlose Wanderung fort und sah wieder und immer wieder auf ihre Uhr. Endlich verließ sie den Schatten, ging über den Rasen und stieg zwischen Orangen- und Zitronenbäumen mit ihrem Unterholz von Jasmiusträuchern die Terrassen hinauf zum Belvedere. Bei ihrem Eintritt huschten Tausende von Eidechsen auseinander und waren blitzschnell verschwunden.
Von hier aus beherrschte der Blick die ganze in der Sonne leuchtende Bucht mit ihrem regen Leben nnd Treiben und das wechselvolle Farbensptel der Meeres- wvgen. Aber Susauua hatte heute kein Gefühl für die Schönheit ringsum. Ihre