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Von Manchester bis Birmingham
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von Manchester bis Birmingham

las englische Unterhaus wandelt die Bahnen andrer Parlamente, es arbeitet so wenig wie gar nichts, und Balfour mußte seine Parteigenossen auffordern, ihre Schuldigkeit zu tun; sie tun sie aber doch nicht, und die Blätter machten Andeutungen über die I Wahrscheinlichkeit einer parlamentarischen Katastrophe und über Neuwahlen für den Herbst. Der Enthusiasmus ist aus Reih und Glied der Regierungspartei geschwunden, wenn auch das Ministerium im Unterhause selbst alle Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten in seiner Mitte hat in Abrede stellen lassen. Und sie bestehn doch, sagt die liberale Presse; beide Teile haben Recht. Zwischen Meinungsverschiedenheiten und Meinungsverschiedenheiten be­steht eben ein Unterschied. Es ist selbstverständlich, daß in einer Gemeinschaft im öffentlichen Leben tätiger Männer, die ihr eignes Gedankenleben ausgebildet haben, nicht die Übereinstimmung einer Herde herrschen kann, daß gar mancherlei Meinungen über denselben Gegenstand vorhanden sein müssen, aber zu gemeinsamem Handeln darüber hinaus bedarf es einer leitenden Idee, die am besten von einer hervorragenden Persönlichkeit vertreten wird und zur Unterordnung der andern Meinungen oder zu Kompromissen führt. An einer solchen geistig führenden Persönlichkeit fehlt es dem Ministerium, und darum hören die Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten nicht auf. Balfour ist ein kluger, in kleinen politischen und parlamentarischen Schwierigkeiten sehr geschickter und cmch persönlich beliebter Mann, aber er hat nicht genug persönliche Autorität und keine agitatorische Kraft, die hinreißend wirkt. Diese Eigenschaften sind dem Torykabinett seit dem Austritt Chamberlains abhanden gekommen, der in einer für das Land so erfolgreichen Zeit der beredte Vertreter eines englischen Imperialismus war, der die über die ganze Erde verteilte britische Weltmacht zu einem politisch und wirtschaftlich geschlossenen Staatsgebilde zusammenzufassen strebt. Chamberlain ist dabei über eine Nebenfrage gestolpert, oder vielmehr er ist freiwillig ge­gangen, weil er im Ministerium gegen die seinen Plänen hinderliche frcihänd- lerische Überlieferung keine sichere Unterstützung fand. Für ihn sind Freihandel und Schutzzoll nicht Zweck, sondern nur Mittel zum Zweck.

Grenzboten III 1904 25