736
Neufundland und das englisch-französische Abkommen
und heranzieht, die Leistungsfähigen also viel stärker anspannt als vorher, eine Stärkung erfahren.
Im Jahre 1893 haben sich Miquel und der Reichsschatzamtssekretär von Thielemann ebenfalls gegen die Einführung einer Wehrsteuer ausgesprochen- Thielemann hat sie sogar als grausam bezeichnet, was wohl etwas zu weit gehn dürfte- Aber eins wird man jedenfalls, auch wenn man der Wehrsteuer geneigt ist, zugestehn müssen, daß man, will man sie einführen, Zeiten der Not abwarten mag, in denen sie als letztes Aushilfsmittel allenfalls in Betracht kommen könnte.
Neufundland und das englisch-französische Abkommen
>ei der zweiten Lesung über das englisch-französische Abkommen nm englischen Unterhanse am 1. Juni sagte der Premierminister Balfour über Neufundland: „Die enormen internationalen Vorteile des Abkommens über Neufundland werden bei weitem nicht ! genügend gewürdigt. Es gab Zeiten, wo der Friede zwischen Frankreich und England fast an einem Faden zu hängen schien, und uur der Takt der Marineoffiziere der beiden Mächte cm Ort und Stelle die Utrcchter Abmachungen erträglich machte. Diese ewige Drohung ist, glaube ich, jetzt beseitigt." Diese Äußerungen sind nur verständlich, wenn man die Entwicklung des bisherigen Zustandes kennt. Eine kurze Darstellung dieser Entwicklung als einer geschichtlichen Merkwürdigkeit dürfte um so mehr von Interesse sein, als in Zukunft zwar Streitigkeiten Englands mit Frankreich ausgeschlossen sein mögen, nicht aber mit Amerika.
Die Insel Neufundland ist etwas größer als Irland, hat aber nur eine Bevölkerung von etwas mehr als 230000 Einwohnern, die bis auf eiuen ganz unbedeutenden Teil Fischerei oder hiermit zusammenhängende Gewerbe betreiben- Ihre Ufer werden von einem kalten Polarstrom umspült, der außer Eisbergen uud Eisfeldern Myriaden der kleinsten Lebewesen mit sich führt, die einen Fischreichtum zur Folge haben, wie er nirgends weiter auf der Welt zu finden ist. Dieser Fischreichtum wurde schon im sechzehnten Jahrhundert erkannt und von Spaniern, Franzosen und Engländern ausgenutzt. Im Jahre 1533, unter der Negierung der Königin Elisabeth, legte einer der großen lusrolnint- g-äveu- tursrs, Sir Humphrey Gilbert, auf einen Teil der Insel für England Beschlag, sodaß Neufundland vielfach als die erste englische Kolonie angesehen wird, wenngleich eine dauernde Ansiedlung erst 1620 entstand.
Die Fischereigerechtsame wnrden vielfach umstritten und im Vertrage zu Utrecht merkwürdigerweise so geregelt, daß obgleich die Insel als englisches Besitztum anerkannt wurde, die Westküste Frankreich überantwortet wurde. Die Franzosen erhielten ausschließlich das Recht, an der Westküste zu fische» und die Küste zu Fischereizwecken zu benutzen, den wirklichen Eigentümern, den Engländern, wurde es verboten. Für die Entwicklung der Kolonie war das