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Die Abnahme der Einwanderung in Südbrasilien
Parlament wieder zu stärken und eine Massenherrschaft um jeden Preis zu verhindern; denn es kommt im Staate niemals darauf an, das zu verwirklichen, was die augenblickliche Mehrheit will oder angeblich will, sondern das für die Gesamtheit Gerechte und Nützliche. K. Lamprecht (II. 2, 202 f.) glaubt eine Umgestaltung der Volksvertretung im Anschluß an „die großen Verbände sozialpolitischen Charakters," also eine Berufsvertretung einigermaßen analog den alten Stünden voraussagen zu dürfen, bei der dann auch die mit dem Übergewicht der materiellen Interessen allzusehr zurückgedrängten „spezifisch geistigen Berufs klaffen, die Kopfarbeiter," wieder mehr zu Worte kommen würden, und ähnliche Ansichten sind auch sonst schon aufgetaucht. Gar so lange wird die Lösung dieser schwierigen Frage nicht mehr hinausgeschoben werden dürfen. Jede Verfassung ist um des Staates und des Volkes willen da, nicht umgekehrt, und das Volk ist nicht gleichbedeutend mit der zahlenmäßigen Mehrheit. "
Die Abnahme der Einwanderung in ^üdbrasilien
UUM
! üdbrcisilien wird heute von vielen Seiten als ein Auswanderungsziel angesehen, das mannigfache Vorzüge vor andern Auswanderungszielen habe. Merkwürdigerweise hat es nun den Anschein, als ob die Auswanderung nach Südbrasilien um so schwächer werde, je ! mehr das Land zur Niederlassung für Kolonisten angepriesen wird. Der Staat Säo Paulo hatte früher schon eine Einwanderung von mehr als 150000 Seelen jährlich, meistens Italienern, die sich als Plantagenarbeiter verdingten. Im Jahre 1900 war diese Zahl auf 22000 gefallen, 1901 kamen 71000, 1902 dagegen wieder nur 40000 an, darunter 29000 Italiener, 5000 Portugiesen, 3000 Brasilianer (aus andern Brasilstaaten zugewanderte), 2000 Spanier usw. Der Staat Santa Catharina hat in frühern Zeiten schon fast 5000 Einwanderer in einem Jahre gehabt, meist Deutsche und Italiener. In den letzten Jahren hielt sich die Einwandererzahl unterhalb 1000, zum größern Teile waren es Deutsche. Der Staat Nio Grande do Sul hatte einst schon eine Jahreseinwanderung von ebenfalls 5000 Seelen, in älterer Zeit meist Deutsche, später auch zahlreiche Italiener. Seit Jahren schwankt aber die Einwanderung zwischen 1000 und 2000 Seelen und wird offenbar immer geringer. Davon entfallen nur noch etwa 3 Prozent auf deutsche Einwanderer. Die meisten sind Italiener und Portugiesen; Polen, Spanier, Griechen, Serben, Bulgaren, Türken, Araber und ähnliche interessante Völkerschaften stellen den Nest.
Wenn sonst irgendwo ein neues Land besonders günstige Bedingungen für das Fortkommen von Einwanderern darbietet, so pflegt die Einwandererzahl zuzunehmen, nicht aber zurückzugehn wie hier. Alle Kenner Brasiliens stimmen in dem Urteil überein, daß diese günstigen Bedingungen früher zu finden waren und auch in Zukunft voraussichtlich wieder zu finden sein werden. Der