Der Mönch von Weinselden
Novelle von Julius R. Haarhnus (Forlsetzung)
crr Gyllis hatte sich erhoben und war ans Fenster getreten. Draußen war alles still. Die Sichel des Mondes stand über dem Mäuseberg und spiegelte sich auf der glatten Fläche des Weihers. Von den weiften Blütendolden der Holunderbüsche am Zaune des Bongerts stieg .ein berauschend starker Dnft auf, und um die Erlen beim Wasser I schwebten, Irrlichtern gleich, ganze Scharen von Johanniskäfern. Als der Burgherr das Feuster schloß und seinen Platz am Tische wieder einnahm, wnrde es unter den Bänmen des Bongerts lebendig. Drei Männer schlüpften durch eine Lücke in der Hecke, schlichen schweigend am Ufer des Teiches hin nnd ließen sich von der Sperrmauer in den Hof des Burghauses hinab. Der letzte von ihnen reichte, bevor er von der Mauer in die Tiefe glitt, den beiden andern ein paar Äxte, eiue Eisenstange und eine verhüllte Laterne zn. Im Hofe blieben sie stehn und warfen, in den Schatten der Mauer gedrückt, prüfende Blicke zu den erleuchteten Fenstern des Obergeschosses hinauf. Dann eilten sie au der Hauswand entlang bis zu der Stelle, wo das Kellerloch aufstand. Einer von ihnen — es war Merten Ströther — setzte die Eisenstange an und bog die verrosteten Gitterstäbe soweit anseiuander, daß ein Mensch hindurchzuschlüpfen vermochte. Noch einmal hielten sie inne, um zu lauschen, bevor sie einer nach dem andern in der Finsternis verschwanden. Dort unten suchten sie sich, so gut es der schmale Streif des schwachen Mvndlichts erlaubte, zurechtzufinden, legten ihr Gerät auf den Boden nnd setzten sich auf ein Reisigbündel. Zunächst wagte keiner von ihnen zu sprechen, als sie aber eine Weile so gesessen hatten, und alles im Hause still blieb, begannen sie sich mit gedämpfter Stimme zu unterhalten. Wiunemar vom Driesch, Ströthers Schwager, brach das Schweigen.
Ich wollt, es wär erst Tag, nnd die Arbeit wär getan, sagte er seufzend. Wirst es wohl abwarten können, erwiderte Ströther. Deinetwegen geht die Sonne keinen Hahnschrei früher auf.
Lüg auch lieber daheim auf der Stren denn hier in dem kalten Loch, meinte der Dritte.
Glaubs schon, sagte Ströther, Wenns nach dir ging, dann täten wir zwei, der Winnemar und ich, die Arbeit allein und ließen dir morgen am lichten Tag das Einsacken.
Hast gut reden, Merten, sagte der Dritte wieder, du weißt, warum du ihm an den Kragen nullst; dir hat er die Faust zu kosten gegeben, aber ich — ich komm in den ganzen Handel hinein wie Pilatus ins Credo.
Hast wohl noch keine Nense in der Lieser gestellt und noch kein Garn in die Hecken?
Doch Merten, mehr als eine Reuse und mehr als ein Garn, antwortete der andre gutmütig. Aber soll ich ihm darum den Hirnkasten einschlagen?
Denkst wohl, weuu er dich einmal erwischt, so drückt er beide Augen zu, weil du der Enneres Mosch bist?
Das Totschlagen möchte noch angchu, bemerkte jetzt Winnemar, nnd mit dem