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Die Klabunkerstraße
Roman von Lharlotte Niese (Schluß) 22
ier Jahre lang war Elisabeth gesund gewesen; jetzt lag sie in ihrem kleinen Wohnzimmer auf dem Ruhebett und wünschte sich den Tod. Ein leises Einschlummern nach Kampf und Arbeit, einen tiefen Schlaf nach allen Schmerzen der Sehnsucht und der Neue.
Von draußen her legte sich die Dämmerung über die Welt, und im Nebenzimmer sangen die Kinder. Die armen Kleinen, die so lange mit der Krankheit gekämpft hatten und sich nur langsam erholten. Ruttger war uoch immer nicht ganz gesund und leicht gereizt und weinerlich, wie man es sonst nicht an ihm kannte.
Bei seiner Pflege hatte sich Elisabeth überanstrengt, besonders da auch Rosnlie krank geworden war und ihr nicht hatte helfen können. Nun kämpfte sie mit einem Zusammenbruch ihrer Nerven und war nur froh, wenn sie ganz still liegen konnte uud nicht nötig hatte zu denken. Aber die Gedanken kamen uugerufen, und die große Sehnsucht in ihrem Herzen erhob ihr Haupt und nahm ihr die Nnhe. Sie hatte so wenig Geduld mit Wolf gehabt. Sie war im Zorn von ihm gegangen und hatte ihn vergessen wollen. Sie hatte ihren verletzten Stolz reden lassen und nicht ihr Herz. Nun war sie einsam, und das Leben lag dunkel vor ihr. Im Nebenzimmer sang Jella:
Herr, schicke, was du willt, Ein Liebes oder Leides. Ich bin vergnügt, daß beides Aus deinen Händen quillt.
Das Verschen hatte sie von Rosalie gelernt und eine Melodie dazu ersonnen. Jetzt fiel auch Jrmgard ein:
Herr, schicke, was du willt.
Dünn klangen die Kinderstimmen und müde dazu, aber Elisabeth richtete sich auf und stützte den Kopf in die Hand. Wenn sie davonging: was wurde aus deu Kiudern?
Ich bin vergnügt, sang Jrmgard, und ihre Mutter legte sich in die Kissen. Wolf würde kommen und seine Kinder holen. Er hatte ein Recht auf sie, uud Elisabeth hatte sich schon lange heimlich gewundert, daß er dieses Recht nicht geltend machte. Sie hatte ihm zwar den weitaus größten Teil ihrer Erbschaft unter der Bedingung überlassen, daß die Kinder ihr verbleiben sollten; aber der Rechtsanwalt hatte ihr damals gleich gesagt, daß der Vater immer Ansprüche auf seinen Sohn hätte. Wolf hatte auch niemals seine Einwilligung zu diesem Vorschlag gegeben. Er hatte Elisabeth ziehn und sich von ihr scheiden lassen; derselbe Nechtscmwalt aber hatte ihr mitgeteilt, daß bei ihm alljährlich vom Baron Wolffen- radt eine bedeutende Summe auf den Namen seiner Kinder hinterlegt würde. Also Wolf dachte an seine Kinder, und Elisabeth ahnte, daß er sich mehr mit dem Gedanken an sie beschäftigte, als er jemals eingestehn würde. Er war so stolz auf