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Erinnerungen aus der Kriegsgefangenschaft in den Jahren 1870 und 1871
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Erinnerungen aus der Kriegsgefangenschaft

in den Iahren ^870 und 1^87^

ie Schlacht bei Beauue La Rvlcmde, nin 28. November 1870, hat nach einem Ort ihren Namen bekommen, nm den besonders heftig gekämpft, nnd der von den braven Sechzehnern und Siebenundfünf- zigern so ruhmvoll und siegreich verteidigt wurde. Sehr heftig wnrde aber auch auf dem linken Flügel des zehnten Armeekorps gegen die überlegne Macht des achtzehnteu französischen Korps gekämpst, jedoch mii wechselndem Glück. Namentlich drehte sich der Kampf stundenlang um Jurauville. Die Sechsundfünfziger und die Einundneunziger eroberten es am Vormittag nnd machten dabei viele Gefangne; sie hielten es auch lauge Zeit gegen den immer von neuem andringenden weit überlegnen Feind, mußten es aber gegen Mittag doch endlich räumen und sich nordwestlich auf Les Cvtelles uud den dahinter liegenden Mühlenberg znrückziehn. Das Bataillon, bei dem der Verfasser dieser Erinnerungen als junger Reservelentnant stand, hielt das Dorf Les Cotelles besetzt, indem einige Kompagnien gegen die nnn von Jurauville heftig andringenden Feinde kämpften und sie durch energisches Fenern erfolgreich abwehrten, während meine Kompagnie sich in und zwischen deu Gehöften des südlichen Dorfrandes zur Verteidigung ein­gerichtet hatte, um die Feinde abzuwehren, die rechts nnd links von der nach Bellegarde führenden Chaussee standen. Ans dieser Südseite gab es aber lange Zeit so gnt wie gar nichts für uns zu tun, da der Feind nicht bis auf Schuß­weite herankam, wir also keiue Möglichkeit zu schießen hatten. Auch die Franzosen schössen mit ihren Gewehren, die viel weiter, als die nnsrigen, trugen, stundenlang nur wenig und brachten uns keine Verluste bei.

Bald uach Mittag jedoch rückten sie plötzlich heftiger vor uud feuerten stärker. Infolgedessen wurde es auf unsrer Seite für ratsam gehalten, von der auf dem schon erwähnten Mühlenberge aufgestellten Artillerie zwei Geschütze weiter vorzu­schicken, um den Feind kräftiger abzuwehren; denn von dem Mühlenberge konnte das Gelände südlich von Les Cvtelles nicht genügend übersehen werden. Diese beiden Geschütze fuhren aber durch die südliche Umfassung des Dorfes östlich vvn der Chaussee leider zu weit vor, sodaß sie ihre Bestimmuug nicht erfüllen konnten- In dem Augenblick, wo abgeprotzt wurde, überschüttete der Feind die beiden Geschütze mit einem solchen Hagel von Geschossen, daß von der Bespannung des einen Geschützes zwei Pferde getötet, zwei verwundet und dazu ein Teil der Bedienungs­mannschaft kampfunfähig gemacht wurde. Da nuu auch der Boden tief aufgeweicht war, konnten die übrig gebliebneu Pferde dieses Geschütz nicht wegziehn, es mußte stehu bleiben; nur durch die grüßte Tapferkeit der Leute war es möglich, die Protze und das andre Geschütz zurückzubringen. Zwar wurden durch deu Adjutanten uusers Bataillons sehr schnell frische Pferde vom Windmühlenberge herbeigeholt, freiwillige Mannschaften erboten sich, den Versuch zu machen, mit diesen das Geschütz zurück­zuschaffen. Da jedoch der Feind nvch näher herangerückt war und sehr heftig und wirksam feuerte, verbvt unser Bataillonskommandeur jeden Versuch zur Rettung des Geschützes, daß nicht unnötige Verluste herbeigeführt würden. So blieb dieses Ge­schütz den Feinden preisgegeben nnd wurde dann die erste Ursache dazu, daß nachher ich mit dem kleinern Teile meines Znges in die Gefangenschaft der Feinde geriet.

Um die vierte Nachmittagsstunde begann nämlich der Feind das Dorf Les Cvtelles auch von Westeu zu umfassen, bedrohte es nunmehr also von drei Seiten!