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Auf klassischem Boden :
(Fortsetzung)
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Auf klassischem Boden

Novelle von Beate Bonus-Jeep (Fortsetzung)

ls Kurtchen nach diesem Frühstück in seinem teppichbelegten Zimmer im ersten Stock allein war, zog er die seidne Schlafmütze unter dem Kopfkissen hervor, wo sie lag, und trat darauf.

Vielleicht hätte er gewünscht, daß ein beherzteres Wesen als er mit Trude ähnlich verfahre.

Während er in dem großen Raum zornig auf uud ab lief, über­legte er, daß es doch nachgerade unerträglich wäre, was diese jungen Dinger ihm zu bieten wagten. Wie einen Hampelmann am Draht, so würden sie ihn nächstens tanzen lassen öffentlich vor allen Leuten! Kurtchen warf sich auf den Divcm und steckte das Gesicht ins Polster: daß sie es sichtbar thaten, das war am Ende ja der einzige Unterschied gegen das, was von jeher mit ihm geschehn war. Bisher war er immer unter irgend einem ernsthaften Vorwand an der Kette geführt worden. Von seiner Mutter in ordentlich zurechtgemachten Gleisen, später von Frnn von Bredow, auch energisch, aber weniger eisern, im Gegenteil mit einer gewissen erfreuliche» Frische, etwa so wie ein Strom das mitführt, was in seinen Macht­bereich fällt. Aber diese dreisten kleinen Sturzbäche, die auf Rechuuug der Mutter ihren Mutwillen mit ihm trieben, diese Frida und namentlich Trude, die ihn hernmstießen wie irgend ein Holz, die wollte er nicht länger ertragen.

Durch die Spalten der Jalousien kam das Sonnenlicht gedämpft herein. Eine einzige große Summfliege, die sich ähnlich wie Kurtchen beschäftigte uud an den Scheiben beständig den durchlässigen Punkt suchte, wo sie sich mit dem Sonnen­schein, den sie sah, thatsächlich vereinigen könnte, gab mit ihrem Singsang der Stunde etwas sommerlich Schläfriges.

Kurtchen schloß die Augen und erlaubte seinen Überlegungen in ein gemäßigteres Tempo, in Träumerei überzugehn. Wie merkwürdig, daß es selbständige Menschen gab! Er hatte bisher nnr an Beherrschte und Herrschende gedacht, aber dies war noch etwas andres, wie zum Beispiel diese Malerin war. Vorhin, als man sich nach dem Frühstück trennte, hatte Frau von Bredow zu ihr gesagt: So, liebes Fräulein, nun legeu Sie sich oben im Zimmer bei meinen Töchtern ein bischen aufs Ohr. Um halb fünf Uhr trinken wir zusammen Thee, und wenn Sie uns dann bei einem kleinen Spaziergang auf den Pincio begleiten wollen, wird es uns sehr augenehm sein. Das war alles so einfach und bestimmt gewesen, eben so wie Frau von Bredow zu regieren verstand.

Und diese Malerin? Sie hatte ebenfalls so bestimmt wie einfach gedankt und war gegangen, Trude hatte nicht einmal Zeit gehabt, ihren geräuschvollen Protest anzubringen. Niemand war gekränkt im Gegenteil, er hatte den Eindruck, daß das Mädchen bei allen Beteiligten noch gewonnen habe. Man wünschte unwill­kürlich, sie öfter zu sehen und näher kennen zu lernen. Was hatte er dagegen für eine Stellung!

Die Bredows vergaßen ihn ja nie. Es war denkbar, daß sie ihn vermißt