Die Fürsorge für die Arbeiterjugend
:e am 23, und 24. April dieses Jahres in Berlin abgehaltne Konferenz der Zentralstelle für Arbeitcrwohlfahrtseinrichtungen hat sich mit der „Fürsorge für die schulentlassene Jugend" beschäftigt, und unter diesem Titel sind jetzt in Nr. 19 der Schriften der Zentralstelle die Verhandlungen der Konferenz und vierzehn Vorberichte, die ihr vorlagen, veröffentlicht worden. Sowohl der Gegenstand wie die Art, wie er behandelt ist, fordern für das Buch das Interesse aller Gebildeten. Mit großem Ernst wird in ihm dem heutigeu Geschlecht die Bedentuug der Aufgaben gezeigt, die ihm in der besseru Erziehung der Arbeiterjugend erwachsen und vielleicht schon über deu Kopf gewachsen sind, und mit viel Sachkenntnis und liebevoller Hiugebung sind auch die Mittel und die Wege erörtert, die man zur Erreichung des Ziels für richtig hält. Dabei mögen manche Einzelheiten zur Kritik veranlassen, das Ganze ist jedenfalls ein verdienstlicher Mahn- und Weckruf au uns alle. Nicht etwa nur au die Politiker in Staat und Gemeinde, und auch nicht mir an die, die in der Lage und geneigt sind, im Vereinsdienst an besoudern Veranstaltungen zur bessern Fürsorge für die jungen Arbeiter mitzuwirken. Der Mcchuruf gilt deu Einzelnen auch in ihrer rein privaten Lebeussphäre, wo immer sie es vermögen, nicht nur an der Erziehung junger Arbeiter selbst, sondern auch an der Erziehung des Volkes überhaupt', der Arbeitgeber aller Schichten uud vor allem der erwachsenen Arbeiter mitzuwirken — zur Kräftigung und Schärfuug des sittlichen Pflichtbewußtseins gegeu die Jugend, das uumer des Einzelneu Sache bleibt, aber doch zugleich auch die Hauptsache alles sozialen Fortschritts uud seine beste Garantierst.
In dem Referat, das Dr. Andreas Voigt aus Frankfurt a. M. der Kou- fereuz am 24. April erstattete, bezeichnete er die Fürsorge für die aus der Schule entlassene Jugend als ein „modernes Problem," in gewissem Sinne sogar als das neuste unter den sozialen Problemen, die die moderne Welt der
Hrenzbotcn IV 1900
KS