384
Auf klassischem Boden
unterbrochen dahin, sie drehte sich hauptsächlich um die Landwirtschaftsund Forstverhaltnisse der Gegend, um Viehzucht, Fischfang uud Jagd. Ein Pferdekenner belehrte mich hierbei über die Ursachen des Rückgangs der einst so bedeutenden Eifeler Pferdezucht. Er glaubte das Körgesetz oder dessen unrichtige Anwendung dafür verantwortlich machen zu müssen. Von den gepriesenen Vorzügen der alten Landrasse, aus der noch Napoleon mit Vorliebe das Pferdematerial für seine Kavallerie wählte, von der Ausdauer, Bedürfnislosigkeit und Zähigkeit sei bei den Produkten der heutigen Zucht nichts mehr vorhanden. Die Kreuzung mit dem ostpreußischen Schlage, zu der man sich aus militärischen Gründen habe verleiten lassen, habe das einheimische Pferd verdorben, es sei als Remontepferd wie als Arbeitspferd nahezu unbrauchbar geworden. Kraft nnd Schnelligkeit ließen, sich nun einmal nicht vereinigen. Der Fehler sei eben der, daß mit der Überwachung der Pferdezucht meist Offiziere betraut würden, deren Pferdeidenl ein andres als das des Bauern sei.
Als der Gesprächstoff ausging, wurden unter die noch Anwesenden kleine Liederbücher verteilt, das Mädchen, dein die Bedienung der Gäste oblag, setzte sich mit an den Tisch, nnd zu den Klängen des dünnstimmigen oder doch wenigstens zartbesaiteten Klaviers schollen aus der kleinen Klause alte deutsche Volks- und Jügerlieder in die stille Herbstnacht hinaus. Es war zu später Stunde, als sich die Stammgäste verabschiedeten. Dem fremden Wandrer zu Ehren waren sie über die gewohnte Aufbruchzeit hinaus geblieben. Als ich am nächsten Morgen nach einem Spaziergange durch das plötzlich blitzsauber ausschaueude freundliche Städtchen meinen Rucksack packte uud meine Nechuuug erbat, wurde ich durch deu unglaublich bescheidnen Preis, den man mir für Abendessen, Nachtlager und ein sehr, reichhaltiges Frühstück abverlangte, angenehm überrascht. Ich nahm die Überzeugung mit ans den Weg, daß die schnöde Habsucht, dieser Kardinalfehler so mancher rheinischen Wirte, ihren Weg in diese stillen Thäler noch nicht gefunden hat.
Auf klassischem Voden
Novelle von Beate Bonus-Ieep
urtchen Giesicke hatte schwarze Haare und war interessant. Er war als Kind schwächlich gewesen. Halstücher und wollne Kniewärmer und Gummischuhe, damit waren sein Gedächtnis und seine Phantasie und sein Gewissen gesättigt worden. Von alle dem zur rechten Zeit dran denken, daß weder das eine noch das andre Schutzmittel verabsäumt wurde, hatte sein Blick und sein Augenaufschlag etwas Beschwertes bekommen. So etwas Sinnendes, als wenn hinter diesen Auge» etwas lastete. Es waren aber die wolluen Strümpfe, die Hals- und Kniewärmer, die da lasteten; aber in den dunkeln Augen war es wie Schwermut zu lesen.
Und dann hatte er trotz aller Vorsicht einmal die Kopfrose bekommen. Davon waren die Haare vom Wirbel weggegangen, und es war da eine kleine Tonsnr
MM)
MIM ^^«-^K/