Die Lehren des Vurenkriegs
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In kurzer Zeit wird der Präsident der Sudafrikanischen Republik, Paul Krüger, auf einem Kriegsschiffe des niederländischen Mutterlandes in Europa eintreffen, der Held und der Märtyrer seines Volks zugleich. Wenn die englische Presse ihm geineine Schimpf- Ireden, die nur auf die Engländer selbst zurückfallen, anheftet, so wird er im gebildeten Europa mit tiefer Sympathie begrüßt werden, mag er nun als Flüchtling kommen oder als Unterhändler im Namen der beiden Republiken, die noch keineswegs geneigt zu sein scheinen, auf ihre völkerrechtliche Persönlichkeit zu verzichten. An dein Endergebnis des Kriegs wird aber Krügers Ankunft kaum etwas ändern, uud auch der mit Kraft uud Verwegeu- heit noch fortgeführte Kleinkrieg wird das schwerlich vermögen, es müßte denn noch irgend eine große auswärtige Verwicklung den Buren zu Hilfe kommen. So wird es uicht verfrüht sein, einmal die Lehren zu erörtern, die sich aus dem Burenkriege im allgemeinen und für Deutschland im besondern ergeben.
Das Tröstlichste ist dabei doch die Beobachtung, welche Macht auch heute noch in unsrer angeblich so materiellen Zeit ein großes einfaches politisches Ideal auf die Gemüter auszuüben vermag. Wäre es den Buren nur auf ihr materielles Wohlergehn angekommen, so hätten sie sich mit England leicht verständigen können; sie aber schlugen das alles in die Schanze und nahmen einen schweren Krieg auf sich, ein paarmalhunderttansend Bauern und Viehzüchter gegen die ungeheure Übermacht eines Weltreichs von 400 Millionen Menschen, nur um der Freiheit ihres Staatswesens und ihres Volkstums willen. Und dieser Kampf fand bei allen gebildeten Völkern, vornehmlich bei den Deutschen, eine so leidenschaftliche Teilnahme, daß sie alle andern Erwägungen kurzweg beiseite schob. In der Volksempfindung gab es hier wie immer in ähnlichen Füllen auf der einen Seite nur Recht, auf der andern mir Unrecht; der unschuldige Schwache sollte von dem brutalen, habgierigen Starken vergewaltigt werden. Man sah nicht oder wollte nicht sehen und will noch heute Grenzboten IV 1900 38