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Latifundien und Bauerngut
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Lernjahre eines Theologen

Geschmack vieler Professoren der Volkswirtschaft, und wohl ebensowenig nach dem Geschmack vieler Gutsbesitzer, die ihre Wirtschaft auszudehnen wünschen. Aber sie wäre ganz im Interesse eines Adels, der nicht nur öde Junkerei treiben, eines Bundes der Landwirte, der nicht nur von heute auf morgen bessere Geschäfte machen, sondern der wirklich staatlich und sozial sein und arbeiten will. Es kommt vielleicht, und vielleicht eher als wir ahnen, die Zeit, wo unsre Industrie nicht mehr in der glücklichen Lage ist, den jährlichen, nach Hunderttausenden zählenden natürlichen Zuschuß der Bevölkerung aufzunehmen und zu fesfeln: ein Aufhören der Abwandrnng vom Lande, eine Rückwandrung zum Lande kann eintreten und die Leutenot zeitweilig heben. Wird der Groß­besitz, der Agrarier dann zufrieden sein mit dem Augenblick, oder wird er die gute Stunde nützen, um für wiederkehrende böse Tage gewappnet zu sein? So lange die Agrarier und der Bund der Landwirte nur Geschäftsgenossen­schaften bleiben, werden sie viel Feinde, viel Mißtrauen um sich, wenig dauernde Kraft und Bedeutung in sich finden. Erst wenn es ihnen gelänge, organi­sierend die landwirtschaftliche Bevölkerung zusammen zu fassen und das land­wirtschaftliche Gewerbe überall gegenüber dem Staat zu vertreten, werden sie sich das Bürgerrecht erringen. So groß dieser Bund heute sein mag, so wird seine künftige Stärke doch nur von der Größe der Aufgaben abhängen, die er sich stellt. L. von der Brüggen

Lernjahre eines Theologen

Erlebnisse und Beobachtungen (Schluß) 4

ie meisten jungen Leute pflegen in der Zeit ihrer Entwicklung eine Periode radikalen Bruchs mit der Religion durchzumachen. Gewöhnlich tritt diese Entwicklung bald nach der Konfirmation ein. Durch die bei uns übliche Praxis der Einsegnung uner­wachsener Kinder beweist die Kirche, daß sie es sich wohl zu­traut, Kinder zu leiten, aber vor dem erwachenden Selbständigkeitsdmnge im Denken und Wollen streckt sie mutlos die Waffen. Sie überläßt die Jüng­linge in den entscheidendsten Kämpfen ihres Lebens ganz sich selbst. Kein Wunder, daß die Gedankenwelt unsrer Jünglinge und Männer unkirchlich oder wenigstens was in vielen Fällen noch besser ist antikirchlich ist. Der Kampf gegen die Kirche könnte doch noch zur Achtung des Gegners führen, wenn die Kirche in ihrem Gegenkampfe achtenswerte Saiten aufziehn würde. Aber hieran fehlt es so oft. Sie hat gewöhnlich für die Abtrünnigen