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Litteratur
der präzisen Sprache der Alten trotz des Verszwangs viel verständlicher als in der schwülstigen Jnristensprache Englands, während man doch im allgemeinen der englischen Sprache knappe Ausdrucksweise nicht absprechen kann. m,
Berichtigung. In dem Aufsatze „Der Posener Schulstreit" der Nummer 41 ist aus Seite 70 im zweiten Absätze versehentlich eine falsche Jahreszahl stehn geblieben. Die Wiederzulassung des Unterrichts im Schreiben und Lesen der polnischen Sprache ist nicht, wie dort angegeben ist, im Jahre 1893, sondern erst im Jahre 1894 erfolgt. Der betreffende Ministerialerlaß ist im März 1894 ergangen.
Bei dieser Gelegenheit sei eine Erläuterung zu einer andern Stelle des genannten Aufsatzes erlaubt. Auf Seite 73 ist im Absatz 2 über den Mangel organisierter deutscher Pfarrgemeinden in der Provinz Posen geklagt. Die betreffende Äußerung: „Zwar giebt es hier nnd da, wo deutsche Katholiken in größerer Zahl leben . . . eine deutsche Pfarrgemeinde . . ." könnte leicht so gedeutet werden, als sollte das Bestehn deutscher Pfarrgemeinden in größerer Zahl überhaupt in Abrede gestellt werden. Dem gegenüber sei ausdrücklich betont, daß in den ganz oder überwiegend deutschen Kreisen im Westen nnd Nvrdwesten der Provinz überall deutsche katholische Pfarrgemeinden bestehn. Das Erzbischöfliche Ordinariat zu Posen hat die Zahl der deutsch-katholischen Parochialkirchen in der Provinz Posen kürzlich auf mehr als fünfzig angegeben. Aber in den Kreisen, wo deutsche Katholiken in größerer Zahl unter einer überwiegend polnischen katholischen Bevölkerung leben, scheint kaum eine selbständige deutsche Pfarrkirche für sie vorhanden zu sein, nicht einmal in den Hanptorten Posen und Bromberg hat die erwähnte Knndgebnng des Erzbischöflichen Ordinariats eine deutsche Parochialkirche genannt.
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Litteratur
Zur See, mein Volk! Die besten See-, Flottenlieder und Meerespoesien, für Haus und Schule, vaterländische Vereine und Feste gesammelt von Julius Lohmeuer. Im Auftrage der Freien Bereinigung für Flottenvortrüge herausgegeben. Leipzig, Breitkops und Hiirtel, 1900
Dos meiste, was in Prosa über deutsche Flotte uud Seegeltung gesagt ist, fliegt man einmal durch uud hat genug davon. Es ist ja dafür gesorgt, daß die Gedanken, die da ausgesprochen werden, uns immer wieder ins Ohr klingen; sie machen ihre langen Wege und Umwege in den Zeitungen und in den Reden der Parlamentarier. Was aber die deutsche Litteratur nn Meerespoesien enthält, das liegt zum Teil tief begraben, und es ist dankenswert, daß man diese Schätze hebt und in Umlauf setzt. In vortrefflichen, warmen Worten hat der Herausgeber des Buchs die Notwendigkeit geschildert, anch der Phantasie, dem Gemüt der Deutschen den Zauber der Schönheit, der Unermeßlichkeit und Freiheit des Meeres mehr nnd mehr zu eröffnen. „Einsicht und Erkenntnis allein wecken noch nicht jene begeisterte Stimmung, die ein Volk zu großen Opfern und Thaten hinreißt." Das gilt vor allem von der Jugend, auf die dieses Bändchen sicherlich den tiefsten Eindruck machen wird. Aber auch der reife Manu wird gern einmal die Spiegelungen des Meeres in der Seele der Dichter an sich vorüberziehn lassen, und er wird neue Töue vernehmen. Seltsam, wie wenig „der Geist, der über den Wassern schwebt," in diesen Gedichten zur Geltung kommt; ist der religiöse Gedanke wirklich so schwach in der deutschen Meerespoesie vertreten? Auch wundert uns das Fehlen Lenauischer Seedichtuugeu, die doch zu den tiefsten gehören.
Herausgegeben von Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh. Grunow in Leipzig. — Druck von Carl Marquart in Leipzig